Recklinghausen - 24.12.04
PRESSEMITTEILUNG DER ANTIFA (X) RECKLINGHAUSEN ZUM NAZIAUFMARSCH AM 24.12.2004

Am heutigen Freitag hat, wie an den Wochenenden zuvor, ein Aufmarsch von Neonazis begleitet von antifaschistischen Protesten stattgefunden. Etwa 70 Neonazis waren nach Recklinghausen gekom- men, um unter dem Motto „Musikfreiheit ist auch Meinungsfreiheit“ zu demonstrieren.

Begleitet wurde der Aufmarsch von einem geringeren Polizeiaufgebot, als dies in den letzten Wochen der Fall war. Auch bei diesem Auf- marsch blieb Protest von antifaschistischen Gruppen und Einzelper- sonen nicht aus.

Die meisten Nazis reisten mit dem Zug aus Richtung Essen kommend um ca. 9.50 Uhr in Recklinghausen an. Hier wurden sie von der Polizei im Empfang genommen und zu ihrem Sammlungspunkt geleitet. Schon hier zeigte sich antifaschistischer Protest: Am Bahnhof hatten sich Antifaschisten eingefunden, die die anreisenden Nazis mit abwertenden Sprechchören, Parolen und Transparenten erwarteten.

Nachdem die Nazis von der Polizei zu ihrem Sammlungspunkt auf dem Wickingplatz geleitet wurden, machten sich die am Bahnhof anwesenden Antifa- schisten auf, um auf die Naziroute zu gelangen und diese zu blockieren. Auf der Halternerstr., Höhe Araltankstelle, versuchte die Polizei die Nazi-Gegner zu stoppen, was aber größtenteils misslang. Hier wurde von der Polizei mehrfach der Schlagstock und andere Gewaltmittel gegen Gegendemonstranten eingesetzt um ein weiteres Vordringen zu verhindern. Erst an der Ecke Halternerstr./Waisenhausstr. konnte die Polizei die Demonstranten daran hindern weiter auf die Naziroute vorzudringen. Unterdessen waren die Nazis ca. um 10.30 vom Wickingplatz losmarschiert und erreichten diese Straßenecke wenig später. Hier wurde ihnen von den Gegendemonstranten gezeigt, dass sie in Recklinghausen weiterhin unerwünscht sind. Als die Nazis dieses Nadelöhr passiert hatten, machte sich der Großteil der antifaschistischen Gegendemonstranten auf den Weg zum Ort der Zwischenkundgebung der Nazis (dem Parkplatz der Händelschule). Diesen hatte die Polizei aber vor dem Erscheinen der Gegendemonstranten bereits abgesperrt und gesichert. An den Absperrungen machten die Demonstranten ihren Unmut über die Nazis Luft und störten die Kundgebung mit Sprechchören und Transparenten. Nachdem die Nazis ihre Kundgebung beendeten, versuchten die Gegendemonstranten abermals auf die Route der Nazis zu kommen, was ihnen an der Ecke Beisinger Weg/An der Lehmkuhle auch teilweise gelang. Hier kam es zu einer Sitzblocke von Gegendemonstranten vor den Nazis. Um den Weg für die Nazis freizumachen entschied sich die Polizei die Blockade aufzulösen bzw. zu räumen. Bei der Räumung ging die Polizei mit unnötiger Gewalt vor. Die Nazis wurden anschließend direkt an den Gegendemonstranten vorbeigeleitet. Sie hatten kurz zuvor sogar versucht zu der Sitzblockade durchzubrechen, was aber von der Polizei verhindert wurde. Weit kamen sie allerdings nicht, denn auf der Halternerstr. hatte sich bereits eine neue Sitzblockade mit erheblich mehr Blockierern gebildet. Hier wurden die Blockierer von der Polizei abgefilmt, aber nicht weiter schickaniert oder geräumt. Stattdessen wurde die Nazi-Demonstration gezwungen auf dem Gehweg weiterzumarschieren, um die Blockade auf der Strasse zu umgehen. Die Nazis wurden an dieser Stelle von der Polizei in nächster Nähe zu den Blockierern vorbeigeleitet. Beim Passieren der Blockade wurde den Nazis abermals von den Antifaschisten gezeigt, dass sie in Recklinghausen nichts zu suchen haben und mehr als unerwünscht sind. An der Halternerstr. Ecke Waisenhausstr. wurden die Nazis dann in die Waisenhausstr. geleitet, welche anschließend von der Polizei abgesperrt wurde. Nachdem die Nazis ausser Sicht- und Hörweite der Gegendemonstranten waren, zogen diese zum Bahnhof. Hier verabschiedeten sie die abreisenden Nazis noch einmal mit Sprechchören und Parolen.

Insgesamt kann von diesem Tag aus antifaschistsicher Sicht ein positives Fazit gezogen werden. Es haben sich wieder bis zu 150 Menschen in Recklinghausen zusammengefunden, die die Nazis nicht, wie vom Bürgermeister geraten, ohne Beachtung und Protest haben marschieren lassen. Mehrmals haben Antifaschisten ihren Protest direkt an der Naziroute zeigen können und es ist zu zwei gelungenen Sitzblockaden gekommen.

Dieses dürfte der letzte Aufmarsch von Neonazis in Recklinghausen in diesem Jahr gewesen sein. Alldings sprachen Redner auf der Zwischenkundgebung der Nazis von neuen Aktionen, wie Konzerten und Aufmärschen, in Recklinghausen. Die Stadt muss sich also auf neue Aktionen der Neonazis gefasst machen und der antifaschistische Protest wird auch im nächsten Jahr gefordert sein, um dem braunen Mob Einhalt zu gebieten. Wenn die Nazis wiederkommen sind wir schon da!
Recklinghausen - 20.12.04
Bürger rufen nach Demo-Verbot

Schon über 2000 Unterschriften - Faule Eier und Tomaten gegen Neonazis

Mit großem Polizeiaufgebot, aber ohne größere Ausschreitungen ging am Samstag auch die vierte Neonazi-Demonstration in Recklinghausen zu Ende. Bei vielen Bürgern wächst derweil die Kritik an der Haltung der Stadtspitze. 94 Rechtsextreme - mehr als in der Vorwoche - waren dem Aufruf zur Kundgebung gefolgt. Wie üblich wurden sie von Linken am Hauptbahnhof mit Sprechchören empfangen, von der Polizei durchsucht und bei ihrem Gang durch das Nordviertel begleitet. Die Route war bestückt mit Plakaten und Transparenten, auf denen Anwohner protestierten. Beispielhaft das große weiße Tuch an der Raphaelschule: "Nazis, lasst uns in Ruhe!" Doch sie wollen wieder- kommen, das kündigten sie noch vor dem Beginn ihrer vierten Demo an: "Heiligabend sind wir auf jeden Fall wieder in Recklinghausen. . ." Parallel zum Aufmarsch der Rechten demonstrierten insgesamt 104 - diese Zahl nannte die Polizei - Oi-Skins und vorwiegend jugendliche Antifaschisten. Am Bahnhof flogen einzelne faule Eier und Tomaten - doch die Polizei konnte die drohende Konfrontation verhindern, mehrere Neonazis wurden festgenommen. Am Ende einer folgenden Spontan- Demo von etwa 70 Antifaschisten lösten Beamte die Blockade eines Linienbusses auf, in dem sich eine Gruppe von Neonazis befand. Hier wurde ein angeblicher Blockierer festgenommen. Am Steintor veranstaltete das Aktionsbündnis von Bürgern aus dem Nordviertel einen Informationsstand. Die Polizei nahm eine Person fest, die aus einem vorbeifahrenden Auto eine Naziparole gerufen hatte. Am Stand wurden weitere Unterschriften für die Forderung nach einem Verbot von Nazi-Aufmärschen in Recklinghausen gesammelt - mehr als 2000 Bürger haben bisher unterzeichnet. Heute Mittag sollen die Listen dem Bürgermeister übergeben werden. In eiskaltem Regen und vor gut 100 Zuhörern rief der Suderwicher Pfarrer Harald Wagner in Anlehnung an ein Wort des Dichter Wolfgang Borchert: "Sagt nein, wenn Rechte eure Stadt für ihre Ziele missbrauchen wollen!" Die 18-jährige Schülerin Kathrin Haase kritisierte die Demos im Nordviertel als unerträgliche Beeinträchtigung für die dort lebenden Menschen: "Viele Bewohner empfinden Angst, wenn ihr Viertel jeden Samstag großräumig von der Polizei abgesperrt wird." Vertreter der Stadt wurden am Steintor vermisst, sie hatten kurzfristig abgesagt. Kathrin Haase bekam viel Beifall für ihre Forderung: "Ignoranz ist nicht das richtige Mittel gegen die Neonazis. Wir Bürger müssen raus auf die Straße und diesem Treiben Einhalt gebieten." Am morgigen Dienstag soll über weitere Aktionen beraten werden.
Quelle: WAZ Recklinghausen, 20.12.04
Recklinghausen - 18.12.04
PRESSEITTEILUNG DER ANTIFA (X) RECKLINGHAUSEN ZUM NEONAZIAUFMARSCH AM 18.12.2004

Auch am heutigen Samstag konnten wieder Neonazis unter dem Schutz der Polizei durch Recklinghausen-Nord marschieren. Insgesamt waren etwa 50 Neonazis nach Recklinghausen gekommen um unter dem Motto „Musikfreiheit ist auch Meinungsfreiheit“ zu demonstrieren.

Angereist ist der Großteil der Nazis um kurz nach halb zwölf mit dem Zug aus Richtung Essen. Zu dieser Zeit hatten sich bereits zahlreiche Antifaschisten am Bahnhof eingefunden, die den Nazis einen Empfang bereiteten. Mit Sprechchören, Transparenten und Parolen machten die Antifaschisten hier ihren Unmut über das unerwünschte Erscheinen der Nazis deutlich. Nachdem die Nazis von der Polizei zum Ort der Auftaktkundgebung der Neonazis geleitet hatte, machten sich viele der am Bahnhof anwesenden Antifaschisten auf den Weg zu einer Demonstration, die um 12 Uhr am Lohtor begann. An dieser friedlichen Demonstration nahmen etwa 70 Personen teil.

Unterdessen hatten die Nazis bereits ihren Auftaktkundgebungsort verlassen und ihren Aufmarsch begonnen. Im Verlaufe des Aufmarsches gelang es Antifaschisten mehrfach bis an Aufmarschroute zu gelangen, um dort ihren Protest in Form von Sprechchören und Transparenten zu äußern. Am Vormittag war die Aufmarschroute zudem noch durch antifaschische Plakate und Transparente verschönert worden. Nach der Beendigung des Aufmarsches wurden die Nazis von der Polizei zum Bahnhof geführt. Hier hatten sich wieder etwa 200 Gegendemonstranten eingefunden, die an den Polizeiab- sperrungen den Nazis noch einmal ihren Protest entgegensetzten. Dabei flogen vereinzelt auch faule Eier und Tomaten in Richtung Nazis. Dies war für eine ca. 20 köpfige Gruppe von Neonazis wohl zu viel des Guten. Sie versuchten im Laufschritt zu den Absperrungen durchzubrechen, wurden aber nach kurzer Distanz von der Polizei aufgehalten. Dies führte zu einer kurzen Auseinandersetzung zwischen Polizei und Neonazis in deren Verlauf mindestens ein Neonazi festgenommen wurde. Der Rest wurde von der Polizei auf Gleis 1 des Bahnhofes geführt, wo es abermals zu einer gewalttätigen Konfrontationen zwischen der Polizei und den pöbelnden Nazis kam. Die Polizei versuchte hier unter Einsatz von Schlagstöcken die Nazis in den von außen nicht einsehbaren Bereich zu drängen, was ihr nach kurzer Zeit auch gelang. Mit dem nächsten Zug aus Münster verließ ein Großteil der Nazis Recklinghausen. Nachdem die Polizei die Nazis in den Bahnhof drängte, formierte sich vor dem Bahnhof eine Spontan-Demonstration. Diese zog vom Bahnhof über den Busbahnhof, dem Grafenwall, die Schaumburgstr., die Herrenstr., die Löhrgasse, dem Kaiser- und Königswall zur Mahnwache am Steintor, die dort seit 12 Uhr bestand. Hier endete die Spontan-Demo. Die Polizei war von dieser Demonstration so überrumpelt, daß sie zu keiner Zeit versuchte die Demo zu stoppen. An dieser durchweg friedlichen Demonstration beteiligten sich bis zu 150 Antifaschisten. Nach Abschluß der Demonstration bewegte sich der Großteil der Teilnehmer zurück zum Bahnhof. Hier wurde anschließend noch ein Bus der Vestischen Straßenbahnen GmbH blockiert, in dem sich eine Gruppe von Nazis befand. Etwa 20 Personen hatten sich vor den Bus gesetzt, um dessen Weiterfahrt zu verzögern. Die Polizei kesselte die Blockade mit starken Kräften ein und drängte die Blockierer ab. Leider ist es bei dieser Blockade zu einer Festnahme mit dem vorgeschobenen Grund einer versuchten Nötigung und eines nicht nachgekommenen Platzverweises gekommen. Die Polizei hat diese Festnahme mit unnötig viel Gewalt durchgesetzt und liess den Betroffenen einige Zeit auf dem Bauch liegend, auf dem Rücken gefesselt auf dem kalten und nassen Boden des Busbahnhofes liegen, ehe er abtransportiert wurde.

An diesem Tag hat sich gezeigt, dass antifaschistischer Protest mög- lich und notwendig ist, um dem brauenen Mob nicht ganz das Feld zu überlassen. Alle Aktionen des Tages sind ein Zeichen dafür, daß Nazis in Recklinghausen auch weiterhin ihre menschenverachtende Propaganda nicht ungestört verbreiten können.

Die Neonazis haben angekündigt am Heiligen Abend einen weiteren Aufmarsch durchführen zu wollen und zwar direkt am Wohnhaus von Bürgermeister Wolfgang Pantförder vorbei.

Unterstützt werden soll dieser Aufmarsch durch einen „nationalen Liedermacher“ der dem Bürgermeister ein „Weihnachtsständchen“ vortragen soll. Auch hier wird antifaschistischer Protest nötig sein, um den Nazis ein weiteres Mal kräftig in die braune Suppe zu spucken.
Mülheim - 18.12.04
Erste Stolpersteine verlegt

Schüler und Schülerinnen der Realschule Stadtmitte haben aus Anlass ihres Schuljubiläums 2004 im Rahmen eines Schulprojekts das Schick- sal jüdischer Schüler und Schülerinnen während der NS-Zeit untersucht und die Anbringung der ersten Gedenksteine in Mülheim an der Ruhr initiiert. Am 18. Dezember 2004 wurden durch den Künstler Gunter Demnig in Mülheim sieben "Stolpersteine" verlegt, die an die Opfer der NS-Herrschaft erinnern sollen.
  • Helga und Ursula Meyer (Bahnstraße 25)
  • Max Saß (Duisburger Straße 87)
  • Gerhard Hirsch (Eppinghofer Straße 133)
  • Fritz Cohn (Georgstraße 24)
  • Helene Hirsch (Kohlenkamp 8) und
  • Günter Pollmeier (Scharpenberg 42).
Recklinghausen, 17.12.2004
HEUTE ROCK UND LICHT GEGEN RECHTS/
NORDER BÜRGER AM SAMSTAG AUF DER STRASSE

Das vierte Wochenende in Folge wird Recklinghausen an diesem Samstag Schauplatz eines Neonazi-Aufmarsches sein. Die Proteste dagegen beginnen am heutigen Freitag um 16 Uhr lautstark: "Rockt die Nazis weg" heißt die Veranstaltung im Dr. Helene-Kuhlmann-Park am Rathaus. Die Stadt, das Kinder- und Jugendparlament sowie das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage wollen insbesondere junge Menschen gegen den Rechtsextremismus auf die Beine bringen. Musik der Bands Kiosk, STB Crew, Stainless Steel, Piff Paff und vom städtischen Jugendsymphonieorchester bilden den klingenden Rahmen - laute und leise Musik als hörbares Zeichen des Protestes. Sichtbare Signale, dass Recklinghausen mit dem Gedankengut und dem Auftreten der Neonazis nichts im Sinn hat, soll ab 18.30 Uhr ein Lichtermeer aus dem Park senden. Bürgermeister Wolfgang Pantförder hat die Angehörigen der Stadtverwaltung aufgefordert, sich an dieser Kundgebung zu beteiligen.

Er rief zugleich auch Jugendliche aus allen Stadtteilen auf, Kerzen und Lampen für die Lichter-Demonstration mitzubringen. Während die Neonazis, begleitet von starken Polizeikräften, dann am Samstag ab 12 Uhr erneut im Nordviertel marschieren, soll eine Gegendemonstration von linken Skinheads stattfinden, die sich klar von den Rechten abgrenzen wollen. Wegen der Skin-Demo wurde der ursprüngliche Plan einer Mahnwache am Lohtor fallen gelassen. Auf das Steintor weicht das Aktionsbündnis von Bürgern aus dem Nordviertel aus. Dieses plant am Samstag von 12 bis 15 Uhr einen Aktionsstand, in den eine Kundgebung von 13 bis 14 Uhr eingebettet werden soll. Schon um 8 Uhr am Samstag wollen sich die Norder am Breukerhaus treffen, um den Marschweg der Neonazis mit ablehnenden Plakaten auszustatten.
Quelle: WAZ Recklinghausen, 17.12.04
Recklinghausen - 16.12.04
OI! SKINS MELDEN FRIEDLICHE DEMO GEGEN NEONAZIS AN

Es wird am Samstag eine Demonstration in Recklinghausen geben, die zeitgleich zum Aufmarsch der Rechtsradikalen stattfindet. Die Skins wollen dokumentieren, dass sie mit den Neonazis nichts zu tun haben. Oi! Skin "Kneuper" hat die Veranstaltung angemeldet, die geprägt sein soll durch Friedfertigkeit und Information. Im WAZ-Gespräch teilte er mit, dass die Gruppe darauf achten werde, alle radikalen Elemente - etwa den schwarzen Block der Antifa-Bewegung - außen vor zu lassen. Um 11 Uhr wollen sich die Skins am Lohtor-Mahnmal treffen. Um 12 Uhr soll es von dort über Beisinger Weg (mit Zwischenkundgebung Höhe Lehmkuhle), Otto-Burrmeister-Allee und Cäcilienhöhe zurück zum Lohtor gehen. Dort wollen sich die Oi! Skins dann an der Mahnwache beteiligen. Außerdem, so "Kneuper", wollen sie ab 8 Uhr die Plakatierungsaktion des Bürgerforums Nord unterstützen. Ratsmitglied Reinhard Jankowiak (GfB) wird sich dagegen nicht - wie angekündigt - am 18. und 24. Dezember jeweils um 11.30 Uhr am Hauptbahnhof jenen Neonazis in den Weg stellen, die an diesen Tagen auflaufen. Nach Rücksprache mit der Polizei habe er von der Aktion Abstand genommen. Das Gefahrenpotenzial sei zu groß, erklärte Jankowiak am Mittwoch. Somit zieht er auch seinen Aufruf zurück, Bürgerinnen und Bürger sollten sich ihm bei dieser Aktion anschließen. Jankowiak will sich jedoch weiterhin an dem Protest gegen die Neonazis beteiligen. Dazu, zum friedlichen Protest gegen die Neonazis, ruft der Künstler Reiner Kaufmann (Atelier "Das Gelbe Haus") auf. Er fordert prinzipiell von allen Menschen ein, die demokratischer Gesinnung sind, sich einzumischen. Kaufmann erinnert auch an die Verpflichtung, auf die Wiederkehr verbotener Symbole zu achten und Hakenkreuze auch in einem anderen Kontext nicht zu akzeptieren, "weil es Menschen unter uns gibt, bei denen solche Symbole Traumata aufflammen lassen".
Quelle: WAZ Recklinghausen, 16.12.04
Recklinghausen - 13.12.04
Rock gegen Rechts und Lichterkette geplant

"Ihr wisst nicht, wovon ihr redet – ich habe in der Nazizeit Nachbarn im KZ verschwinden sehen. Haut ab, lasst uns in Ruhe", schrie eine ältere Anwohnerin aus dem Nordviertel beim dritten Neonazi-Umzug in RE in Folge den Rechtsextremisten entgegen.

Die unverhohlene Wut der Bürgerin ging am Samstag in Pöbeleien der Neonazis unter. Wie an den vorangegangenen Adventsamstagen zogen ca. 70 Rechtsradikale durch Straßen des Nordviertels. Ein Polizeiaufgebot von etwa 400 Beamten sicherte die Route bei dem Umzug. Zum Auftakt wurden die Neonazis ab 11 Uhr auf dem Wickingplatz Personenkontrollen unterzogen, um 15.25 Uhr saßen sie wieder im Zug. Drei Strafanzeigen wegen Volksverhetzung bzw. Ver- wendung verbotener Kennzeichen wurden erstattet, zwei Polizeibeamte bei Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten verletzt. Der Polizei gelang es erneut, beide Gruppen strikt voneinander zu trennen.

Zunehmend wächst bei den Bürgern die Empörung über die Provoka- tionen der Extremisten, die ihre Umzüge als vom Versammlungsrecht gedeckte Demonstrationen deklarieren. Der Weg der Neonazis war gepflastert mit Protestplakaten, am Lohtor hielten Bürger eine Mahn- wache.

Heute um 19 Uhr beraten das Bürgerforum Nord und der Koordi- nierungskreis "RE für Toleranz und Zivilcourage" in der Volks- hochschule über weitere Protestaktionen. Die Rechtsradikalen haben für Samstag und für Heiligabend weitere Umzüge in RE angekündigt. Es gibt Überlegungen für ein "Rockkonzert gegen Rechts" am Freitag ab 16 Uhr im Dr.-Helene-Kuhlmann-Park, zudem steht eine Lichterkette von Bahnhof zum Rathaus in Rede.
Quelle: Recklinghäuser Zeitung, 13.12.04
Recklinghausen - 13.12.04
KLEZMER-KLÄNGE FÜR DEN FRIEDEN

Viele Plakate und Straßenmalereien im Nordviertel - Transparente zerstört

Plakate überall. "Nazis raus aus Recklinghausen", steht da zu lesen. Und: "Halte deine Stadt sauber." Darunter kippt ein Männchen ein Hakenkreuz in einen Abfallbehälter. Schriftzüge auf den Straßen des Nordviertels unterstreichen die Aussagen. Erstmals seit Beginn der Demos verdeutlichen die Bewohner des Quartiers den Rechtsex- tremisten, was sie davon halten, Samstag für Samstag eingeschränkt zu werden. Wickingplatz, 12 Uhr. 400 Polizeibeamte sind aufgeboten, um 70 Neonazis zu begleiten und Gegenaktionen der Antifa-Bewegung abzuwehren. Bekannte Bilder. Den Unterschied macht an diesem Tag das Bürgerforum RE Nord. Darin haben sich viele Anwohner des Viertels organisiert. Sie wehren sich, friedlich. Auf der Wegstrecke der Rechten sind die Proteste nicht zu übersehen. Einige warten sogar auf die "Demo", blasen in Trillerpfeifen, ausgestreckte Mittelfinger ragen den Extremisten entgegen. Zorn ist spürbar. Am Abend zuvor trafen sich die Menschen am Breukerhaus, um Aktionen vorzubereiten. In der Nacht zum Samstag gab es Gegenmaßnahmen der Neonazis. Transparente wurden zerstört. Das Forum überlegt, Anzeige wegen Sachbeschädigung zu erstatten.

Ereignisse unterwegs: Eine ältere Dame gerät beim Anblick der Gruppe in Rage. Sie erinnert sich an den 2. Weltkrieg, an die Nazis, an Verfolgung, an Mord, an Deportationen in Konzentrationslager. Ein junger Mann versucht am Hedwigsheim eine Sitzblockade. An der Schützenstraße breiten Antifa-Aktivisten ein Transparent aus und verschwinden wieder. Am Bahnhof wird skandiert, zwischendurch gewinnt die Polizei einige Katz-und-Maus-Spiele.

Etwa am Oerweg, als eine Gruppe Gegendemonstranten versucht, über ein Firmengelände an die Rechtsradikalen heranzukommen. Am Lohtor-Mahnmal erklingen derweil Klezmer-Klänge, brennen Kerzen für den Frieden. Die Mahnwache erlebt nach einwöchiger Pause eine Wiederbelebung. Ein paar hundert Menschen kommen verteilt über gut drei Stunden. In der Spitze halten sich 60 bis 70 auf dem Platz auf. Vermisst werden viele. Auch die Gewerkschaften. Mahnwachen, scheint es, sind unpopulär. Nicht zuletzt deshalb wird es am kommenden Freitag, 17. Dezember, nach der "Demo der Demokraten" vor zwei Wochen zu einer zweiten großen Aktion kommen. Im Helene-Kuhlmann-Park soll ein Rockkonzert gegen Rechts stattfinden. Ab 16 Uhr. Parallel soll es eine Lichterkette vom Bahnhof bis zum Rathaus geben. Das Bürgerforum Nord wird sich ebenfalls beteiligen. Heute folgt eine Besprechung mit dem Koordinierungskreis "Recklinghausen für Toleranz und Zivilcourage" um 19 Uhr im VHS-Gebäude. Ein Open-air-Konzert in Recklinghausen kündigten auch die Rechten an. Und juristisch wollen sie die Durchführung wasserdicht machen, wie in Hamburg oder Leipzig. Die Auseinandersetzung Demokraten gegen Neonazis wird weitergehen.
Quelle: WAZ Recklinghausen, 13.12.04
Recklinghausen - 11.12.04
PRESSEMITTEILUNG DER ANTIFA (X) RECKLINGHAUSEN ZUM NAZIAUFMARSCH AM 11.12.2004

Wie schon an den beiden Samstagen zuvor haben Neonazis am 11. Dezember in Recklinghausen einen Aufmarsch durchgeführt. Geschützt wurde dieser Aufmarsch durch ein Polizeiaufgebot von 400 Beamten. Es kam zu einigen Gegenaktionen.

Der Großteil der Nazis reiste mit der Bahn um kurz nach halb zwölf an. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich auf dem Wickingplatz (Auftaktkundge- bungsort der Nazis) bereits etwa 20 Personen der rechtsextremen Szene eingefunden. Zusammen mit den per Zug angereisten Nazis machten sie ungefähr eine Gruppe von 70 Neonazis aus, die an- schließend im Recklinghäuser Nordviertel unter dem Motto „Musik- freiheit ist auch Meinungsfreiheit“ demonstrierten.

Bereits bei der Anreise der Nazis machten Antifaschisten den Nazis deutlich, dass sie nicht willkommen waren. An den Polizeiabsper- rungen am Bahnhof hatten sich etwa 200 Gegendemonstranten eingefunden, die die Nazis mit antifaschistsichen Sprechchören, Parolen und Transparenten empfingen. Die Polizei verhinderte hier ein direktes Aufeinandertreffen von Neonazis und Antifaschisten.

Nachdem die Nazis von der Polizei zum Wickingplatz geführt wurden, formierte sich in den Reihen der Antifaschisten eine Spontan-Demonstration, die sich vom Bahnhof in Richtung Aufmarschroute der Nazis in Bewegung setzte. Die Polizei versuchte zunächst vergeblich diese spontane Demo nach kurzer Strecke anzuhalten. Die Demo zog unbeirrt und zielstrebig weiter. An der Kreuzung Halternerstr./Waisen- hausstr. überging die Demo eine lockere Polizeiabsperrung und gelangte bis an die Aufmarschroute der Nazis. Hier wurde die Demo von der Polizei zum Stehen gebracht und unter Einsatz von einfacher körperlicher Gewalt und Schlagstöcken zurückgedrängt. Einzelnen Antifaschisten gelang es trotzdem bis auf die Nazi-Route vorzudringen. Der Großteil der Demo entschloss sich zurückzuziehen und die Demo auf der Halternerstr. fortzusetzen. Hier wurde die Demo eine Straßenecke weiter von der Polizei gestoppt und eingekesselt. Nach Verhandlungen mit der Polizei konnte die Demonstration als angemeldete Demo unter Auflagen (z.B. Benutzung von Gehwegen) weitergehen und wurde von der Polizei über die Otto-Burmeister-Allee und den Beisinger-Weg zur Mahnwache am Lohtor geleitet. An der Mahnwache hatten sich zu dieser Zeit etwa 40 bis 50 Menschen eingefunden. Hier endete die Demonstration. Insgesamt beteiligten sich an der Spontan-Demo zwischen 100 und 150 Antifaschisten.

Außer dieser Demo und der Mahnwache gab es noch einige andere Aktionen gegen den Naziaufmarsch. So gelang es im weiteren Tagesverlauf Antifaschisten mehrfach in Gruppen oder als Einzelper- sonen an anderen Stellen bis zur Nazidemo vorzudringen und dort ihren Protest verbal und friedlich zu äußern. Dabei wurde eine Person, die sich vor die Nazi-Demonstration setzte, für kurze Zeit in Gewahrsam genommen. Auch bei der Abreise der Nazis waren wieder zahlreiche Antifaschisten am Bahnhof um den Nazis ein letztes Mal ihren Protest und ihre Wut über ihr Erscheinen zu zeigen.
Recklinghausen - 11.12.04
Nordviertel formiert sich gegen Neonazis

Ein voller Erfolg war die Aktion, mit der gestern das am Mittwoch aus der Taufe gehobene Bürgerforum aus dem Nordviertel seinen Protest gegen den für heute angekündigten erneuten Aufmarsch von Neonazis zum Ausdruck brachte.

Dicht umlagert war der Infostand vor dem Breukerhaus am Börster Weg, an dem Protestlisten zur Unterschrift auslagen. Zahlreiche Bürger zündeten Kerzen an, griffen zu Pinsel und Farbe, um Plakate zu malen, die anschließend sofort entlang des Demonstrationszuges installiert wurden. Mit bunter Straßenkreide schrieben Kinder und Jugendliche ihren Protest auf das Straßenpflaster.

"Man hat das Gefühl, dass die Leute auf etwas gewartet haben", erklärte Mitinitiator Nils Feldhaus. Das Bürgerforum Nord sucht den Schulterschluss mit dem Bündnis "RE gegen Rechts". Am Montag, 13. Dezember, 19 Uhr, findet ein Treffen im VHS-Haus statt, bei dem weitere Aktionen gegen Neonazi-Aufmärsche koordiniert werden. "Unter anderem überlegen wir, ob wir vor dem geplanten Rockkonzert gegen Rechts am kommenden Freitag eine Lichterkette organisieren", so Feldhaus. Der Koordinierungskreis für Toleranz und Zivilcourage ruft am heutigen Samstag, 12 bis 15 Uhr, zur Teilnahme an der Mahnwache am Lohtor auf.
Quelle: Recklinghäuser Zeitung, 11.12.04
Recklinghausen - 08.12.04
IGNORIEREN HILFT NICHT

Zum gleichen Thema meint die Antifa-Gruppe Recklinghausen:

Im Vorfeld der Gegendemonstration am vergangenen Samstag ist es zu unglaublichen Diffamierungen der Organisatoren gekommen. Bürger- meister Pantförder, fast alle im Rat vertretenen Parteien, der DGB und die Stadt riefen die Bürger auf, nicht an der Gegendemonstration teilzunehmen. Dabei wurde der Bevölkerung bewusst verschwiegen, dass es sich bei dieser Demonstration um eine Aktion des "Bündnisses RE gegen Rechts" gehandelt hat, welches eine Woche zuvor eine große und auch von allen genannten Organisationen getragene Demo veranstaltete. Die Organisatoren der Gegendemo am 4.12. wurden in eine linke Ecke gedrängt und es wurde ihnen vorgeworfen, sich auf die gewalttätige Konfrontation mit den Nazis vorzubereiten. Dabei verlief die Demoroute weit entfernt von der Route der Neonazis und eine direkte Konfrontation mit den Nazis war zu keiner Zeit diskutiert worden. Dass alle Vorwürfe komplett aus der Luft gegriffen waren, zeigte der absolut friedliche Verlauf der Demonstration. Es kam im Verlauf des Tages zu keinen Festnahmen/Ingewahrsam- nahmen von Gegendemonstranten. Auf der Seite der Nazis wurden zwei Personen festgenommen. Dieses wird nicht der letzteAufmarsch von Neonazis in Recklinghausen sein: Sie haben bereits für die letzten Advents-Samstage und für den Heiligen Abend weitere Aufmärsche angekündigt. Auch hier wird antifaschistischer Protest notwendig sein, denn Ignorieren hilft nicht gegen Nazis. Recklinghausen wird aber nicht die einzige Stadt in unmittelbarer Nähe bleiben, die mit Aufmärschen von Rechtsextremen zu rechnen hat. Am vergangenen Samstag hat die Polizei in Bottrop ein Konzert von Neonazis (ähnlich wie in RE) aufgelöst und so verhindert. Auch hier rufen die Neonazis nun zu Aufmärschen auf. In Internetforen kündigen sie an, nach den Aufmär- schen in Recklinghausen nach Bottrop weiterzufahren und auch dort zu demonstrieren.
Quelle: WAZ RECKLINGHAUSEN, 08.12.04
Essen - 05.12.04
Abgriff von Nazis auf Antifas im Zug

Auf dem Weg nach Recklinghausen am 4.12.2004 wurde eine kleine Gruppe Antifas von Nazis im Zug angegriffen.


Eine etwa 20-köpfige Gruppe Nazis stieg in Essen in den Zug. Anscheinend handelte es sich hierbei um die "Kameradschaft Josef Terboven". Sie zog parolenschreiend durch den Zug bis das sie die kleine Gruppe Antifas angetroffen hatte.

Nach dem die Nazis die kleine Gruppe entdeckt hatten fingen sie an diese zu fotografieren und zu filmen, was ihnen nicht ganz geglückt ist.
Danach gingen sie zum Angriff über und versuchten sich durch eine enge Türe zu zwängen, dank dem engagierten Handeln eines Antifas welcher sich unter Tritten und Schlägen einfach in den Weg stellte und die Nazis zurückdrängte konnte schlimmeres verhindert werden. In Gelsenkirchen stiegen dann BGS-Beamten zu die uns prompt beschuldigten wir wären die Auslöser gewesen obwohl einige Fahrgäste und eine Kontrolleurin gegen diese Anschuldigungen protestierten.

In Wanne-Eickel stieg nochmals eine Gruppe Nazis in den Zug hierbei handelte es sich, um eine ca. 15-köpfige Gruppe.

In Recklinghausen schließlich erwarteten uns ca.30 BGS-Beamten und trennten die Nazis von uns.
Quelle: Indymedia, 05.12.04

Bottrop - 04.12.04
Skinhead-Treffen aufgelöst

Die Polizei hat am Samstagabend ein Treffen von Rechtsradikalen in der Gaststätte "Zur schattigen Buche" an der Rheinbabenstraße aufgelöst. 70 Personen aus dem ganzen Bundesgebiet wehrten sich zum Teil gewaltsam dagegen, des Lokals verwiesen zu werden.

Die Gaststätte steht seit Dezember letzten Jahres leer. Der Besitzer des Gebäudes, ein Landwirt aus Kirchhellen, zeigte sich überrascht und bestürzt, als er von den Vorfällen erfuhr. Er habe die "Schattige Buche" zwei "höflichen und ordentlich aussehenden jungen Männern", die von der leer stehenden Gaststätte gehört hatten, für eine private Geburtstagsparty vermietet. Dass die beiden einer rechtsradikalen Gruppe angehörten, habe er weder gewusst noch geahnt. "Ich war einfach zu naiv. Solche Veranstaltungen werden nicht mehr stattfinden", erklärte er am Sonntag gegenüber den RN. "Gott sei dank ist es nicht zu größeren Ausschreitungen gekommen."

Das stimmt. Durch Detektivarbeit im Vorfeld wusste die Polizei über das Treffen der Skinheads Bescheid, rückte am Abend mit rund acht Mannschaftswagen vor der Gaststätte an und bat die 70-köpfige Gruppe, diese sofort zu räumen.

Dies geschah jedoch nicht ohne Gegenwehr. Vier Personen wurden in vorläufiges Gewahrsam genommen, gegen drei weitere eine Strafan- zeige wegen Beleidigung und Verdacht auf Befreiung ihrer festge- nommenen Kollegen erhoben. Die anderen vier wurden später aus dem Gewahrsam entlassen. Erst nach 22 Uhr löste sich das rechte Treffen auf.

Michael Gerber, Ratsherr der DKP, wohnt an der Rheinbabenstraße und beobachtete wie einige andere das Geschehen. Vor der "Schattigen Buche" hätten Autos aus dem ganzen Bundesgebiet geparkt und die Gruppe wäre an ihren Glatzen und ihrer Kleidung eindeutig als rechtsradikal zu erkennen gewesen. Aus der Gaststätte drang laute Musik. Die Anwohner befürchten nun, so Gerber, dass in dem Lokal eine rechte Szene entstehe. Sie haben den ehemaligen Wirt in Verdacht, Kontakte zur rechten Szene zu haben.

Dies kann der Besitzer der Gaststätte nicht bestätigen. "Ich habe seit der Kündigung des Pachtvertrages keinen Kontakt mehr zu ihm. Meines Wissens hatte er mit der Feier nichts zu tun." Trotzdem sorgen sich die Bürger: Gegen den Ex-Wirt soll auch in Zusammenhang mit dem Paketbomben-Anschlag ermittelt werden. Die Polizei sieht hier keinen Zusammenhang.
Quelle: Ruhr Nachrichten, 06.12.04
Recklinghausen - 04.12.04
PRESSEMITTEILUNG DER ANTIFA (X) RECKLINGHAUSEN ZUM NAZIAUFMARSCH AM 4.12.2004

Ein massives Polizeiaufgebot von 600 Beamten hat am Samstag, dem 4. Dezember. einen erneuten Nazisaufmarsch von Neonazis in Recklinghausen ermöglicht.

Dieses ist war der zweite von insgesamt fünf geplanten Naziauf- märschen die bis Jahresende in Recklinghausen stattfinden sollen Am Treffpunkt der Nazis hatten sich etwa 70 Personen aus dem Spektrum der Freien Kameradschaften versammelt, um einen Aufmarsch im Recklinghäuser Norden durchzuführen. Die angereisten Nazis konnten unter dem Schutz der Polizei nahezu ungestört unter dem Motto: „Musikfreiheit ist auch Meinungsfreiheit“ durch das Nordviertel mar- schieren. Angeführt wurde dieser Aufmarsch vom bundesweitbe- kannten und mehrfach vorbestraften Neonazi Siegfried Borchert („SS-Siggi“) aus Dortmund.

Das gesamte Nordviertel war wie auch schon am 27. November zuvor von der Polizei hermetisch abgeriegelt worden und so zur „No-Go-Area“ für die Bürger und Bewohner erklärt worden. Bürger und Anwohner die ins Nordviertel wollten wurden an den Polizeisperren abgewiesen und bei Nichtbeachtung der Anweisungen mit einem Platzverweis versehen bzw. mit einer Ingewahrsamnahme bedroht.

Es gab an diesem Tag einige Gegenaktionen zum Nazisaufmarsch. So startete an der Pauluskirche um 12 Uhr eine Gegendemonstration an der sich etwa 200 Menschen beteiligten. Diese zog von der Paulus- kirche zum Lohtor wo die Abschlusskundgebung stattfand. Im Laufe der Demonstration wurden Reden von Rednern unterschiedlicher Organisa- tionen und von Einzelpersonen gehalten, die sich thematisch mit dem Naziaufmarsch befaßten.

Im Vorfeld dieser Demonstration ist es zu unglaublichen Diffamierungen und Denunzierungen der Demonstrations-Organisatoren gekommen. Bürgermeister Pantförder, fast alle im Rat vertretenen Parteien, der DGB und die Stadt Recklinghausen riefen die Bürger Recklinghausens auf, nicht an der Gegendemonstration teilzunehmen. Dabei wurde der Bevölkerung bewusst verschwiegen, dass es sich bei dieser Demonstration um eine Aktion des „Bündnisses RE gegen Rechts“ gehandelt hat, welches eine Woche zuvor eine grosse und auch von allen genannten Organisationen getrage Demo veranstaltete. Die Organisatoren der Gegedemo am 4.12. wurden in eine linke Ecke gedrängt und es wurde ihnen vorgeworfen, sich auf die gewalttätige Konfrontation mit den Nazis vorzubereiten. Dabei verlief die Demoroute weit entfernt von der Route der Neonazis und eine direkte Konfontation mit den Nazis war zu keiner Zeit diskutiert worden.

Auch die Polizei schien die Linie der Parteien und der Stadt RE zu vertreten und begleitete die Demo mit einem völlig übertriebenen Polizeiaufgebot. Dass alle Vorwürfe komplett aus der Luft gegriffen waren, zeigte der absolut friedliche Verlauf der Demonstration.

Es kam im Verlauf des Tages zu keinen Festnahmen/Ingewahrsam- nahmen von Gegedemonstranten. Auf der Seite der Nazis wurden zwei Personen festgenommen, denen vorgeworfen wird, „Sieg Heil“ gerufen zu haben. Ein anderer Neonazi wurde wegen Trunkenheit vom Aufmarsch der Rechten ausgeschlossen. Nach dem Aufmarsch in Recklinghausen reisten die Neonazis nach Dortmund weiter, wo sie eine zweite Demonstration durchführten.

Dieses wird nicht der lezte Aufmarsch von Neonazis in Recklinghausen sein: Sie haben bereits für die letzten Advents-Samstage und für den Heiligen Abend weitere Aufmärsche angekündigt. Auch hier wird antifaschistischer Protest notwendig sein, denn Ignorieren hilft nicht gegen Nazis! Recklinghausen wird aber nicht die einzige Stadt in unmittelbarer Nähe bleiben, die mit Aufmärschen von Rechtsextremen zu rechnen hat. Am vergangenen Samstag hat die Polizei in Bottrop ein Konzert von Neonazis (ähnlich wie in RE) aufgelöst und so verhindert. Auch hier rufen die Neonazis nun zu Aufmärschen auf. In Internetforen kündigen sie an, nach den Aufmärschen in Recklinghausen nach Bottrop weiterzufahren und auch dort zu demonstrieren.
Bochum – Dezember 2004
Zwischen Ratlosigkeit und Tolerierung:
Der Umgang mit der NPD in Wattenscheid

Seit der Kommunalwahl Ende September 2004 ist die neona- zistische NPD in der Bezirksvertretung Wattenscheid vertreten. Die anderen Parteien schwanken nun zwischen Hilflosigkeit und Ignoranz.

Zu den Fakten: Trotz aggressiver Hetze gegen den Bau einer neuen jüdischen Synagoge in Bochum, der Verherrlichung von Nazigrößen wie Rudolf Hess und Stimmungsmache gegen Migranten, bot die Koalition im Wattenscheider Bezirksparlament (CDU, UWG und FDP) der NPD eine Art Tolerierung an, dessen Formel lautete, „Soviel Abgrenzung wie nötig, soviel Normalität wie möglich”. Folgenschwer dann die Eröffnungssitzung der Bezirksvertretung: Keine Zurückweisung der Ausschreitungen der NPD im Wahlkampf. Kein Wort zur Hetze der NPD gegen Juden und Ausländer, auf die viele Bürger Wattenscheids gewartet hatten. Stattdessen: Schweigen.

Derart ermuntert stellte der NPD-Bezirksvertreter Claus Cremer (u.a. auch stellv. NPD Landesvorsitzender) wenige Tage später eine Anfrage zur nächsten Sitzung. Die Einladung zur Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht nimmt Cremer dabei zum Anlass, um provokativ die Verbrechen der Nazis an den Juden zu relativieren und festzu- stellen, dass in Wattenscheid kein Jude in der „Reichskristallnacht” zu Schaden kam. In der Sitzung des Bezirksparlamentes zu diesem einmaligen Vorgang, erneutes Schweigen.

Den vorläufigen Höhepunkt erreichen die Naziprovokationen jedoch mit dem diesjährigen Volkstrauertag. Zuerst ließ die Bezirksvertretung in diesem Jahr das Ehrenmal, 1934 von den Nazis als Heldenge- denkstätte für die Toten des I. Weltkrieges errichtet, für sage und schreibe 71.000 Euro renovieren. Die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag, die man hier alljährlich durchführt und zu einem Bekenntnis zu Frieden und Völkerverständigung genutzt hatte, wurde diesmal kurz vorher abgesagt. In dieses Vakuum stieß jetzt Cremer mit seiner NPD. Er meldete eine Kundgebung bei der Polizei an, besorgte sich beim Garten- und Friedhofsamt den Schlüssel für die Krypta des Ehrenmals und lud zur Heldengedenkfeier ein. Im Internet rühmte sich die NPD, die „einzig offizielle Veranstaltung” in Wattenscheid durchgeführt und das renovierte Ehrenmal wieder eingeweiht zu haben.

In den Tagen darauf, die VVN-Bund der Antifaschisten und die Soziale Liste Bochum machten diesen Skandal publik, hüllte sich die Bezirksvertretung wieder in Schweigen. Zwar wird über den Skandal des Wattenscheider Volkstrauertages in der lokalen Presse ausführlich berichtet, aber aus der Bezirksvertretung kommt wieder keine politische Zurückweisung der NPD-Aktivitäten. Im Gegenteil: Auch nach über drei Wochen befindet sich der NPD-Kranz mit der Aufschrift „Wir gedenken Deutschlands Helden” immer noch im nichtöffentlichen Teil des Ehrenmals. Erfreulich: Es entwickelt sich Widerstand vor Ort. Die Soziale Liste schlägt einen Dialog aller demokratischen und antifaschistischen Parteien, Organisationen und Einzelpersonen vor, um gemeinsam zu beraten, wie der NPD und ihrer antisemitischen Hetze begegnet werden kann. Mit deutlichen Worten hat jetzt auch Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz (SPD) in einem Schreiben an die VVN-Bund der Antifaschisten die Wattenscheider Vorfälle am Volkstrauertag bedauert und verurteilt.
Quelle: Zeitung der Sozialen Liste Bochum, Dezember 2004
Recklinghausen - 01.12.04
Neonazi-Umzug berührt Wallring und City nicht

Das Bündnis RE gegen Rechts trifft sich heute um 19 Uhr in der Volkshochschule, um weitere Aktionen gegen einen für kommenden Samstag angemeldeten Rechtsradikalen-Umzug in RE zu beraten.

157 Neonazis waren am vergangenen Samstag durchs Nordviertel marschiert, begleitet von einem Polizei-Großaufgebot. Der Einsatz verlief ohne Zwischenfälle.

Am Freitag zuvor demonstrierten 2 000 Bürger in RE bei einer Kund- gebung gegen Rechtsradikalismus, zudem hatte sich das Bündnis gegen Rechts für Mahnwachen am Tag des Neonazi-Umzuges ent- schieden. Was gegen den erneuten Rechtsradikalen-Aufmarsch initiiert wird, ist noch offen. VHS-Chef Jürgen Pohl, der zuletzt das Bündnis-Treffen gegen Rechts moderierte, favorisiert weiter Mahnwachen: "Allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass sie von Nazi- Gegnern und auswärtigen Demonstrations-Touristen mit Stadtplan in der Hand als Versammlungspunkt missbraucht wurden. Kleine Gruppen haben sich dort getroffen, um sich zu organisieren und dann die Konfrontation mit den Neonazis zu suchen. Wir müssen überlegen, wie Mahnwachen – z. B. mit Informationsangeboten – ausgebaut werden können."

Der Rechtsradikalen-Umzug wurde bei der Polizei für Samstag von 12 bis 16 Uhr angemeldet. "Wir gehen davon aus, dass die Perso- nengruppe wiederkommt und sich im gleichen Raum wie am ver- gangenen Samstag aufhalten wird", so Polizeipräsidentin Ursula Ste- gelmeyer gestern.

Die Ausgangslage: Das Versammlungsrecht schützt auch Rechts- radikale, die Stadt hat keine Handhabe gegen den formal korrekt angemeldeten Neonazi-Umzug. Die Polizei kann gewaltfreie De- monstrationen – und als eine solche ist der Umzug angekündigt – nicht verbieten. Sie kann nur Auflagen und deren Einhaltung überprüfen. So werden Wallring und Innenstadt vom Aufmarsch nicht berührt. Die Polizei wird Neonazis und potenzielle Gegendemonstranten trennen, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Quelle: Recklinghäuser Zeitung, 01.12.04
"...und ein kleiner brünetter als ihr Führer"

Axel Reiz - ein Neonazi unter der Lupe

Ein Sommertag des Jahres 2000 in einer Kneipe in Langen, vor den Toren Frankfurts: "Nach oben, nach oben", ruft Thomas Brehl. Sein 17-jähriger Zögling soll beim Sprechen nicht stets zu Boden blicken. "Und dann so seherisch in die Ferne schauen, wie der Führer es getan hat", verlangt Brehl. Drei Jahre später: Die rhetorische Niete von damals hat ihre Lektion gelernt - jedenfalls so gut, dass das Neonazi-Fußvolk in Brechten johlt, wenn Axel Reitz, inzwischen 20, ruft, "dass der letzte demokratisch gewählte und meiner Meinung nach auch der letzte rechtmäßige Kanzler des deutschen Volkes Adolf Hitler gewesen ist. Und ich würde an dieser Stelle bewusst lügen müssen, wenn ich sage, es wäre mir unangenehm, wenn dieser Mann heute die Geschicke Deutschlands in seinen Händen halten würde".

Hinter seinem Rücken mögen einige "Kameraden" schmunzeln über den Nachwuchs-Führer, der seine Defizite, was Größe oder Kraft anbelangt, kaschiert, indem er sich outfitmäßig abhebt vom Gros der Neonazis. Der auch an diesem Hochsommertag im Juli 2003 in Brechten nicht auf den Mantel verzichten will und ohne weißes Hemd, schwarze Krawatte und akkuraten Scheitel kaum denkbar ist. Was ihm physisch fehlt, will er auch mit schneidigen Reden, hart an der Grenze zum Illegalen, ausgleichen, tobt gegen "Neger, Alis, Mustafas", gegen das "kriminelle ausländische Pack", gegen Antifas "von der Aids-Station". Letztere müssen sich keine Sorgen machen, wenn die Seinen wieder herrschen: "Die Volksgemeinschaft wird sich um sie kümmern wie um jeden anderen geistig Behinderten auch."

In Bergheim, vor den Toren Kölns ist er aufgewachsen. Als er 17 ist, verrät er seinen Berufswunsch: "SA-Standarten-Führer". Da ist er schon seit ein paar Jahren fest integriert im braunen Umfeld, bezieht seit langem Material von der NSDAP/AO aus den USA, hat eine Zwischenstation beim NPD-Nachwuchs schon hinter sich. Der war ihm nicht radikal genug. Mit 15 gründet er im Herbst 1998 die "Kameradschaft Köln", schwingt sich zu deren Anführer auf. "Quex" nennen sie ihn - wie den Hitlerjungen im NS-Propagandafilm. Zu Hause fliegt er, noch nicht volljährig, Anfang 2000 raus. Sein Vater distanziert sich von seinem Sohn, sein Rauswurf sei "das einzig Richtige" gewesen, schreibt er in einem "Offenen Brief an die Antifa".

Die "Kameradschaft Köln" ist Reitz' Zuhause, schon als er noch zu Hause lebt. "Wir stehen in der Tradition der nationalsozialistischen Bewegung", ruft er bei einer Versammlung aus, fordert "radikale, nationalsozialistische Kameradschaften" - und das in Abgrenzung zur NPD und zu den JN: "Wir müssen immer das bleiben, was wir sind: Nationalsozialisten und keine Nationalde¬mokraten oder nationale Demokraten oder sogar Nationalkonservative". "Quex", der sich selbst einmal als Mitglied der NSDAP/AO bezeichnete, spricht Klartext: "In Deutschland sind die Verhältnisse so schlimm, dass wir nur durch einen revolutionären Umsturz den Sieg erringen können." Logisch, dass sich die Kameradschaft, die sich in die Tradition von NSDAP und SA stellt, später den Namen eines Kölner SA-Mannes gibt: Walter Spangenberg.

Als sich der "Kampfbund Deutscher Sozialisten" (KDS) im Mai 1999 bildet, gehört Reitz zu den Gründungsmitgliedern. Seine Kölner "Kameradschaft" tritt - soweit erkennbar - geschlossen dem KDS bei. Das Pathos, das dort gepflegt wird, kommt Reitz entgegen. Die Titelsucht ebenfalls. Brehl,ist der "Stabschef, auf der Ebene darunter, wo Reitz zu finden ist, avanciert man zum "Gausekretär" und ist eventuell gleichzeitig "Mitglied der Organisationsleitung". Auch die Ehrungen gefallen ihm. Kaum ein Mitglied bleibt ohne Auszeichnung, wenn es ein paar Monate Plakate geklebt hat. Reitz, der einst ganz gerne eine SA-Anstecknadel in der Krawatte trug, ist nun selbst in der Lage, Auszeichnungen huldvoll zu vergeben. Und der KDS garantiert ihm mehr Aufmerksamkeit. Eine Fernsehkamera surrt, als er im Juli 1999 bei einem KDS-Treffen in Köln Gegnern droht: "Denen wird irgendwann der Kopf abgeschlagen werden. Die werden auf den Marktplatz gestellt und werden erschossen für das, was sie getan haben." Was ihn antreibt, ist sein fester Glaube: "Wir glauben auf dieser Erde alleine Adolf Hitler. Wir glauben, dass der Nationalsozialismus der allein seligmachende Glaube ist für unser Volk. Wir glauben, dass es einen Herrgott im Himmel gibt, der uns fuhrt, der uns lenkt, und der uns sichtbar segnet. Und wir glauben, dass dieser Herrgott uns Adolf Hitler gesandt hat. Heil Hitler."

Im KDS stellen die Nordrhein-Westfalen derzeit die fleißigsten "Kameraden". Fünf der sechs lokalen Stützpunkte, die in einer Übersicht im Verbandsorgan "Der Gegenangriff (Juni 2003) genannt sind, finden sich dort. Nicht ohne das Zutun von Reitz haben sich die Gruppen in Köln-Chorweiler, Wuppertal, Mettmann, Schwelm und Essen gebildet. Und er arbeitet weiter an seiner KDS hinaus. Auch als Redner ist Reitz inzwischen gefragt. So trat er im vorigen Jahr bei Worchs Leipzig-Demonstrationen ebenso auf wie bei einer Kundgebung auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Gegen die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht wetterte er nicht nur wiederholt in Dortmund, sondern auch in Peenemünde und Halle. Weitere kleinere "Auftritte" in Dortmund, Hagen, Wuppertal, Hamm, Moers und Mönchengladbach durften nicht fehlen. Auch daheim in Köln bleibt er nicht untätig. In früheren Jahren wurden Redebeiträge von ihm dort sogar verboten. Inzwischen darf er wieder das große Wort fuhren, so zum Beispiel am 3. Januar 2004, bei einer KDS-Kundgebung in Köln unter dem Motto "Gegen das zusammen wirken von Linkenextremisten und Politischer Justiz" und zuletzt am 17. Januar in Hamm.

Im Mai 2002 versuchte Reitz, seine politische Strategie zu skizzieren. Während er die NPD-Postulate des Kampfes um die Straße und um die Köpfe teilt, hält er vom Kampf um die Parlamente wenig. "Sollen wir unsere Anklagen gegen die Missstände in diesem System in einer demokratischen Quasselbude erheben, wo sie vom Volke ungehört verhallen?" Reitz sieht die Seinen und wohl auch sich selbst als letzte Hoffnung des Vaterlands: "Wir sind dazu angetreten, Deutschland zu retten, nicht dieses System. Wir wollen ein gänzlich neues System, eine neue Ordnung." Der "Schicksalskampf unseres Volkes und der Nation" werde auf den Straßen entschieden. "Deshalb, meine Kameraden, heraus auf die Straße! Solange wir marschieren, lebt das Reich!" Ein Reich, das er zum Beispiel bei seiner Rede in Brechten so beschreibt: "Unser Ziel ist die Versöhnung aller Klassen und Stände unseres Volkes. Wir wollen die Volksgemeinschaft!" Und: "Wir werden ein Europa der Vaterländer verwirklichen, frei von Kapitalismus und frei von Kommunismus", wie es "den Kameraden der Waffen-SS als Ordnungsmodell vorschwebte".

Zumindest im mittleren Osten sah er das Staatsmodell, von dem er träumt, schon in etwa verwirklicht. Saddam Hussein besang er mit den Worten: "Er hat den Irak zu einer der orientalischen Art und Mentalität entsprechenden orientalischen Variante des nationalsozialistischen Volksstaates gemacht." Hussein sei "groß und bewundernswert, weil er es geschafft hat, wie unser Führer Adolf Hitler, sein Volk hinter sich zu bringen". Kein Wunder, dass Reitz mit dabei war, als KDS-Kader im Oktober 2002 der irakischen Botschaft in Berlin einen Besuch abstatteten und deren Geschäftsträger mit einer Ehrennadel beglückten. Überraschend war es auch nicht, dass gerade Reitz während des Irak-Kriegs zum gefragten Redner bei Neonazi-Aufmärschen wurde. In Dortmund ließ er sein Publikum wissen: "Genau so wie bis 1945 ein geschlossenes Volk hinter der deutschen Regierung stand, braunen Karriere, über NRW und über die Grenzen des so steht auch hinter dem Irak und dem genialen Führer Saddam Hussein ein geschlosse¬nes Volk." Auch nachdem Saddam der USA in die Hände gefallen war, vergaß Reitz ihn nicht. Eilends meldete sein KDS-Kamerad Paul Breuer für den 20. Dezember in Köln eine Demonstration unter dem Motto "Freiheit für Saddam" an, bei der Reitz seinem nicht einmal 20 Köpfe zählendes Publikum kund tat, Saddams Verbleib in einem Erdloch sei nicht unehrenhaft gewesen, da er in seiner Heimat und bei seinem Volk ausgeharrt habe, wie dies seinerzeit auch der Führer getan habe.

In Charly Chaplins "Der große Diktator" findet sich die Szene, in der Propagandaminister Dr. Garbitsch dem Führer Anton Hynkel seine Vision der zukünftigen Bewohner des Reiches erläutert: "Stellen Sie sich vor, mein Führer: ein Volk voller groß gewachsener, blonder, blauäugiger Menschen, und ein kleiner brünetter als ihr Führer." So gesehen, darf sich auch Axel Reitz, der mit seiner ungebrochenen Radikalität für jenen Teil der Szene wichtig ist, der sich ausdrücklich und ohne Einschränkung auf den historischen Nationalsozialismus bezieht, weiter Hoffnung machen.
Quelle: Lotta Nr. 15, Winter 2004