Schwerte - 15.04.05
Nazimord in Schwerte
In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde der 34-jähriger Bochumer Arthur K. auf den Ruhrwiesen in Schwerte niedergestochen und verstarb noch am Tatort. Zwar habe der gleichaltrige Täter Christian W. aus Ergste schon öfter eine rechte Gesinnung gezeigt, von einer politisch motivierten Tat wollen die Ermittlungsbehörden aber bisher nicht sprechen, auch wenn „Heil Hitler“-Rufe und rechte Parolen des inzwischen Festgenommenen der Auslöser für die tödliche Auseinandersetzung waren. Im Zuge des Streits stach der Täter fünf Mal zu und verletzte Arthur K. dabei tödlich. Dieser verstarb noch am Tatort.
Hier ein Bericht der Westfälische Rundschau von der Pressekonferenz des Staatsanwaltes:
Streit eskaliert: 34-jähriger getötet
Eine Zufallsbekanntschaft, die tödlich endete: Der 34-jährige Christian W. aus Ergste soll am Freitagabend gegen 20.50 Uhr in den Ruhrwiesen nahe des DLRG-Heimes den gleichaltrigen Bochumer Arthur K. umgebracht haben. Fünf Mal stach er auf ihn ein, ein Stich in die Leber war tödlich.
Bei einer Pressekonferenz am Samstag gaben Staatsanwalt Bernd Maas (Hagen), Ralf Rudolf, Leiter der Dortmunder Mordkommission, und Polizeiführer Ralf Look die bislang vorliegenden Erkenntnisse bekannt. Danach haben der mutmaßliche Täter und seine 18-jährige Freundin den Freitagnachmittag in den Ruhrwiesen verbracht. Alkohol oder Drogen haben kaum eine Rolle gespielt, sagte Maas. Am Abend stieß das Pärchen auf den jungen Mann aus Bochum, zu dem vermutlich noch mehr Leute gehört haben. Die Jugendlichen, die später als Zeugen auftraten, hielten sich einige Meter entfernt auf. Den Bochumer habe der Ergster mit den Worten "Heil Hitler" begrüßt, so Maas. "Das war die Initialzündung", so der Staatsanwalt, "für eine zunächst verbale Auseinandersetzung". Maas betonte mehrfach, dass trotz des Grußes die Tat keinen politischen Hintergrund habe. Das gebe der weitere Verlauf ebenso wenig her wie die mehrseitige Darstellung der Freundin, mit der der Ergster seit rund acht Monaten zusammen ist. Zunächst sei es dem jungen Mädchen gelungen, die Streithähne auseinander zu bringen, so Maas. Sie und der ihr Freund entfernten sich rund zehn Meter vom Ort des Geschehens. Dann folgte die fatale Wendung. Die beiden kehrten zurück, weil der Ergster offensichtlich "ein klärendes Gespräch" (Maas) führen wollte. Vermutlich habe sich Christian W. in seiner Ehre verletzt gefühlt.
Opfer schlug auf Freundin des mutmaßlichen Täters ein
Der mutmaßliche Täter und das spätere Opfer, das "Rauschmittel oder Drogen" (Maas) zu sich genommen hatte, beleidigten sich, pöbelten sich an.
Wer letztlich mit den Schubsereien angefangen habe, lasse sich nicht mehr ergründen, berichtete der Staatsanwalt. Das weitere Geschehen lässt sich wie folgt rekonstruieren: Die Freundin will eigentlich wieder schlichten, zieht aber den Bochumer an den Haaren. Arthur verpasst dem Mädchen einen Kinnhaken, und zwar so heftig, dass sie hinfällt und eine deutliche Rötung zu sehen ist. Da hat offensichtlich der Ergster Rot gesehen, zieht ein Klappmesser mit einer acht bis zehn Zentimeter langen Klinge aus dem Etui am Hosengürtel. "Ungefähr so lang wie ein Handy", beschreibt Maas die Waffe. Fünf Mal sticht er auf das Opfer ein, trifft den Oberbauch, zweimal die Brust und zweimal die rechte Seite. Wenn auch der endgültige gerichtsmedizinische Untersuchungsbericht noch nicht vorliege, erklärte Maas, sei davon auszugehen, dass der Stich in den Oberbauch die Leber perforiert habe. Der ledige und kinderlose Arthur K. starb am Tatort.
Der Ergster und seine Freundin flüchteten. Zeugen holten die Polizei. 55 Kräfte waren ebenso im Einsatz wie ein Polizeihubschrauber, berichtete Look. Zu dem Trupp gehörten auch Kräfte des SEK. Aufgrund von Zeugenaussagen war die Identität des Ergsters und der 18-jährigen bekannt. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Polizei keine weiteren Angaben zu ihrem Vorgehen am Abend und in der Nacht machen. "Ein Zugriff in einem solchen Fall will gut vorbereitet sein", sagte Look. Um 5.09 Uhr nahmen Beamte den mutmaßlichen Täter in seiner Wohnung fest, in der auch die Freundin weilte und die mutmaßliche Tatwaffe gefunden wurden. Christian W. leistete keinen Widerstand, hat sich aber laut Polizei zu der Tat noch nicht geäußert. Gestern wurde der Ergster dem Haftrichter in Hagen vorgeführt, der Haftbefehl lautet auf Totschlag. Seither sitzt Christian W. in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Täter bringe ein gewisses Aggressionspotenzial mit, erklärte Maas. 1999 sei er zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Körperverletzung verurteilt worden. Eine Sachbeschädigung stamme aus dem Jahr 1994. Zudem habe er ein Klappmesser mit sich geführt. Das Opfer habe unter "Rauschmittelwirkung" gestanden, meinte der Staatsanwalt. Genaue Aufschlüsse werden von einem toxikologischen Gutachten erwartet. Aus welchen Gründen der Bochumer nach Schwerte gekommen war, dazu gebe es keine Informationen. Möglicherweise habe der unterschiedliche Haarschnitt der beiden, der Ergster kahl geschoren, der Bochumer langhaarig, die Gewaltbereitschaft angeheizt. Nach Aussagen der Freundin von Christian W. haben sich die beiden zu den Punkrockern gezählt.
Quelle: Westfälische Rundschau