Dortmund - 31.12.10
Nazidemo als Sparversion

Am letzten Tag des Jahres zogen etwa 80 Nazis aus Dorstfeld über die Rheinische Straße bis zur Katharinenstraße durch die menschenleere Innenstadt zum Hauptbahnhof. Die Strecke wurde von der Polizei abgesperrt.

Am Kundgebungsort begrüßten etwa 20 Antifaschisten mit Parolen die Nazis.

Während der Kundgebung gingen die Reden der Faschisten im Dauergeleut von der nahe gelegenen Kirche unter. Um 15 Uhr endete die Veranstaltung ohne das angekündigte Konzert und Feuerwerk.
Dortmund - 31.12.10
Neonazis marschieren an Silvester in die City

Von Dorstfeld bis zur Katharinentreppe in der City wollen an Silvester Neonazis marschieren. Laut Polizei wird die rechte Demo gegen 13 Uhr an der S-Bahnstation Dorstfeld beginnen.

Die zum Auftakt angekündigten Bands „Libertin“ und „Flak“ sagten aus persönlichen Gründen ab - wohl wegen des knappen Auftritts von je nur zwölf Minuten.

Der Tross zieht über Wilhelmplatz, Rheinische Straße, Möllerstraße (Zwischenkundgebung) über den Wall und die Schmiedingstraße zur Katharinentreppe. Hier soll dann bis 18 Uhr der Abschluss der Aktion erfolgen. Es könne zu Verkehrsbehinderungen kommen, so die Polizei.

„Justiz, Polizei und Politik sind dringend aufgefordert, dem Treiben der Nazis nicht nur am 31. Dezember den Riegel vorzuschieben, sondern das Zentrum des braunen Sumpfes in Dorstfeld trocken zu legen“, so Ula Richter für das Bündnis Dortmund gegen Rechts. Nachdem die Stadt in guter Absicht das Haus an der Rheinischen Straße mit dem offiziell geschlossenen Nazi-Laden „Donnerschlag“ gekauft hat, müsse endlich das inoffizielle, weit über Dortmund hinaus wirkende „Nationale Zentrum“ dicht gemacht werden. „Hier werden die Untaten ausgebrütet, von hier gehen die Überfälle auf Migranten und Nazi-Gegner aus.“
Quelle: Der Westen, 30.12.10
Dortmund - 29.12.10
Nazikonzert fällt in den Schneematsch

Die beiden Nazi - Musikgruppen, die Silvester in Dorstfeld auftreten sollten, haben nun ihr Kommen abgesagt. Dachdem die Polizei beiden Gruppen eine Auftrittslänge von maximal 24 Minuten ausgerechnet hat, scheint der Auftritt für „Flak“ und „Libertin“ nicht mehr attraktiv genug zu sein. Die Band "Libertin" wird so zitiert: „... es ist uns aus persönlichen, sowie personellen, Gründen nicht möglich ist aufzutreten“.

Um das groß angekündigte „Silvester-Konzert“ doch noch zu retten, suchen die Nazis um Dennis Giemsch über das Internet „noch einen Balladenspieler, der an Silvester Zeit hat“. Man will sich aber auf jeden Fall weiterhin um 13 Uhr am  S-Bahnhof Dortmund - Dorstfeld treffen, um bei Kälte und Eisregen die Polizei zu ärgern.
Dortmund - 27.12.10
Demonstration : 
Nazis in Dortmund rüsten sich zum „Konzert“ an Silvester

Demonstration mit Musik oder Konzert? Das ist erneut die Frage, wenn Neonazis am Silvestertag in Dortmund aufmarschieren. Während die Demo mit Musikbeiträgen gesetzlich geschützt ist, ist es das Konzert auf keinen Fall.

Silvester ab mittags wollen die Nazis von Dorstfeld in Richtung Innenstadt ziehen. Und dabei sollen zwei Bands bei der Auftaktkundgebung spielen. Wie das Internetportal „NRW rechtsaußen“ schreibt, sollen das „Libertin“, die Haus- und Hofband der „Autonomen Nationalisten“ aus dem östlichen Ruhrgebiet, sowie die Gruppe „Flak“ aus dem Rheinland sein. „Flak“ habe in diesem Jahr eine erste CD herausgebracht. Zuvor habe die Gruppe lediglich zwei Alben zum Download im Internet veröffentlicht, darunter ein Live-Mitschnitt unter anderem mit den Titeln „SS“, oder „Volk ans Gewehr“, „Blut muss fließen“ und „Hakenkreuz“. Im Hakenkreuzlied heißt es unter anderem: „Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um“. Im Vorfeld wird nun in einigen rechten Foren damit geworben, „Kommt zum Silvester-Konzert nach Dortmund!“.

Schon im September dieses Jahres war es zu Diskussionen um eine Naziveranstaltung an der Katharinentreppe gekommen. Während die Polizei von einer politischen Demonstration mit Musikbeiträgen gesprochen hat, riefen die Nazis unverhohlen dazu auf, zum „Konzert nach Dortmund zu kommen“. Wie dies auch jetzt wieder der Fall ist.

Wie Polizeipressesprecher Manfred Radecke erklärte, darf die Musik laut Versammlungsrecht nur 40 Prozent der Zeit einnehmen, 60 % Redebeiträge. Das heiße in diesem Fall: Musik von insgesamt 24 Minuten, zwölf pro Band.
Quelle: Der Westen, 27.12.10
Dortmund - 24.12.10
Zwölf Nazis bei Kundgebung an Heiligabend

Einen eher schlechten Start legten die Dortmunder Nazis heute mit ihrer Kundgebung als Auftakt zum rechten Demo-Spektakel zum Jahreswechsel hin. Bei Temperaturen um -3°C versammelten sich ab 11 Uhr heute Morgen gerade einmal zwölf Neonazis oberhalb der Katharinentreppen gegenüber des Hauptbahnhofs. Nachdem über eine Dauer von zwei Stunden vier Reden verlesen wurden (u. a. von Hamburger Neonazi Christian Worch), wurde die Kundgebung gegen 13 Uhr sang- und klanglos beendet.
 
Auch das Konzept der Rechten, die Polizeikräfte mit einem Einsatz u. a. an Heiligabend unter Druck zu setzen und zu verärgern, ging nicht richtig auf. Diese hatte nämlich bereits im Vorfeld die Versammlung der Neonazis an diesem Tag als „geringfügig“ eingestuft und den Einsatz entsprechend klein gehalten. Kritik an der Terminwahl gab es bereits im Vorfeld aus den eigenen Reihen.
Quelle: Antifaschistische Union Dortmund, 24.12.10
Dortmund - 22.12.10
Nazis wollen Silvester in Dorstfeld demonstrieren

Wie heute von den Dortmundern Nazis im Internet veröffentlicht wurde, soll am Silvesternachmittag die geplante Demo um 14 Uhr vom S-Bahnhof Dortmund - Dorstfeld starten. Für eine abschließende Kundgebung haben sich zwei Nazirockgruppen bereiterklärt aufzutreten. Es sind "Flak” aus dem Rheinland und die Dortmunder Hausband “Libertin”. Es wird aber noch eine dritte Band gesucht, die die Gehörgänge traktieren soll. Weiterhin hat man ein Höhenfeuerwerk angemeldet.

Wie aus Antifakreisen bekannt wurde, sind einige Überraschungen in Planung, um den Jahresausklang der Nazis zu versalzen. Man ist gespannt, ob das Feuerwerk nicht nach hinten losgeht.
Dortmund - 22.12.10
Dortmunder SPD erklärt sich solidarisch mit der „Hirsch-Q“

Die Dortmunder SPD erklärt sich solidarisch mit den Gästen und Betreibern der Kneipe „Hirsch-Q“. Nicht zuletzt die aufgetauchten Videoaufnahmen machten deutlich, dass es sich hier nicht um eine „Kneipenschlägerei“ handelt, sondern um einen brutalen, geplanten Überfall durch Neonazis.

Dazu Kai Neuschäfer, Vertreter der SPD im Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus: „Die ,Hirsch-Q’ ist seit Jahren Ziel von rechten Angriffen. Jede Atttacke ist auch ein Angriff auf unsere Demokratie. Die Opfer verdienen unsere uneingeschränkte Solidarität.“

Für die SPD ist es „unverständlich, wenn die Tatbeteiligten vorheriger Überfälle auf die Kneipe ,Hirsch-Q’ straffrei ausgehen. Das ist für unseren Rechtsstaat untragbar und für die Opfer ein Schlag ins Gesicht. Insbesondere die erneute Beteiligung des Mörders von Thomas ,Schmuddel’ Schulz, Sven K., an dem Überfall zeigt, dass hier Kriminelle am Werk sind.“

Der Dortmunder SPD-Vorsitzende Franz-Josef Drabig ergänzt: „Wir sind seit jeher der Meinung, dass es falsch ist, derartige Vorfälle auf eine Auseinandersetzung zwischen extremen Rechten und Linken zu reduzieren. Spätestens seit dem Überfall auf die DGB-Demo am 1.  Mai 2009 sollte allen Dortmundern klar sein, dass es jeden treffen kann, der anders denkt als die Faschisten. Die Aggression kommt in den allermeisten Fällen von Rechts.“

Es sei zudem höchst problematisch, wenn unschuldige Opfer sich von der Polizei in die linksextreme Ecke gestellt fühlen. Dies und die Angst vor weiteren Bedrohungen aus der rechten Szene halten wichtige Zeugen davon ab, sich bei der Polizei zu melden. Kai Neuschäfer: „Die Ereignisse unterstreichen nochmal die Wichtigkeit eines erhöhten Zeugenschutzes sowie einer unabhängigen Opferberatungsstelle. Die SPD wird sich dafür einsetzen, dass dies auch im zur Zeit erarbeiteten Lokalen Aktionsplan verankert wird. Nichtsdestotrotz fordern wir alle Zeugen des Überfalls auf, sich zu melden, um eine strafrechtliche Verfolgung der Täter zu ermöglichen. Auch die Koordinierungsstelle der Stadt steht als Ansprechpartner zur Verfügung.“
Dortmund 20.12.10
Gemeinsame Erklärung von Falken, SDAJ, Linksjugend und Naturfreundejugend

Stellungnahme vom 20. Dezember 2010 zum Überfall von Faschisten auf die „Hirsch-Q“

In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 2010 kam es erneut zu einem organisierten Überfall Dortmunder Faschisten auf die Kneipe „Hirsch-Q“ auf der Brückstraße in der Dortmunder Innenstadt. Mindestens sechs Personen wurden teils schwer verletzt, als die Angreifer in das Lokal stürmten und auf die Gäste einschlugen. Eine Person wurde dabei mit einem Messer niedergestochen. Mehrere Personen mussten mit Rettungswagen in umliegende Kliniken eingeliefert werden. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt den Opfer des Angriffs in dieser Nacht sowie allen anderen Personen, die in den letzten Jahren in das Visier des faschistischen Terrors geraten sind.

Die Dortmunder Faschisten haben an diesem Wochenende ein weiteres Mal unter Beweis gestellt, dass Faschismus keine missliebige Meinung ist, sondern schlichtweg eine verbrecherische Ideologie. Die Faschisten nehmen bei ihren Angriffen Tote billigend in Kauf. Die Liste ihrer Angriffe, Überfälle und weiteren Verbrechen, die sich vornehmlich auf engagierte und fortschrittliche Personen, Gruppen und Parteien richtet, ist lang: Traurige Höhepunkte neben den Überfällen auf die „Hirsch-Q“ sind u.a. der Angriff auf die 1.-Mai-Demonstration des DGB 2009 sowie bislang vier Morde an drei Polizisten und einem Punk.

Angesichts dieser Tatsachen ist es mehr als offensichtlich, dass hiermit eine Strategie verbunden ist: Durch gezielte Einschüchterungen und Angriffe sollen Menschen davon abgehalten werden, sich den Faschisten entgegenzustellen und in ihrer Politik behindert werden. Einzelpersonen und Gruppen werden beispielsweise durch Anschläge auf Wohnhäuser und Büros, Provokationen auf der Straße, körperliche Gewalt und Denunziation im Internet unter Druck gesetzt.

Lassen wir ihre Strategie nicht aufgehen!

In der Presse und sonstiger Öffentlichkeit hingegen wird immer noch unbeirrt das Bild der gegenseitigen Auseinandersetzungen zwischen „Linken und Rechten“ gezeichnet. Manchmal sind es gar nur „Kneipenschlägereien“. Die Beweggründe bleiben mit Verweis auf die wenig erhellenden Polizeiberichte unbenannt. Diese Art der Berichterstattung und Darstellung ist nicht hinnehmbar. Sie verschleiert den wahren Charakter der Vorfälle, denn es sind Überfälle und Angriffe, keine Auseinandersetzungen oder einfach Schlägereien. Sie verschweigt die Motivation der Faschisten und entpolitisiert dadurch das Geschehen. Und sie unterstützt die Kriminalisierung der Opfer, wie sie durch die Polizei oftmals durch Erkennungsdienstliche Behandlungen, Ingewahrsamnahme etc. praktiziert wird, indem sie den Angegriffenen eine Mitschuld im Rahmen einer Auseinandersetzung unterstellt.

Polizei und Justiz fallen indessen vor allem durch Inaktivität bei der Verfolgung rechter Straftaten auf. Dies führt so weit, dass Aussteiger aus der faschistischen Szene in Dortmund berichten, wie verwundert die „Kameraden“ immer wieder darüber sind, was sie alles machen können, ohne von Polizei und Justiz belangt zu werden. Dabei wird nicht nur gegen einzelne Personen der rechten Szene nur halbherzig vorgegangen, auch die faschistischen Organisationen und Gruppen werden als solche nicht ernsthaft ins Visier der Ermittlungen genommen. Warum sonst werden die juristischen Möglichkeiten, die es durchaus gibt (z.B. § 129, § 129a, § 130 StGB), nicht konsequent ausgeschöpft? Warum werden die Opfer der Faschisten kriminalisiert?

Liegt es vielleicht daran, dass mit einem konsequenten Kampf gegen die faschistische Szene auch ein Bekenntnis zu deren besonderer Stärke in Dortmund verbunden wäre? Würde eine konsequente Verfolgung ihrer Straftaten als politisch motivierte die Statistik unangenehm in die Höhe treiben und das Image der Stadt negativ beeinflussen? Es scheint, als wäre dies die große Befürchtung der Stadtoberen. Fürchten sie einen Imageverlust mehr als den Verlust des Lebens einiger MitbürgerInnen?

In vollmundigen Worten wird von Zeit zu Zeit die Weltoffenheit und Toleranz der Stadt versichert, und in der Tat hat sich ein wenig bewegt in den letzten Jahren. Mit einem Koordinierungsbüro für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, das aus Haushaltsmitteln eingerichtet wurde, oder mit dem Kauf eines Hauses, das von den Faschisten zum „nationalen Zentrum“ ausgebaut werden sollte. Doch dies ist längst nicht genug. Eine aktive und entschlossene Politik ist nötig, die den Faschisten die Handlungsspielräume nimmt und sich gegen ihre Aufmärsche und Veranstaltungen stellt.

Vor dem Hintergrund, dass die Faschisten vor allem junge Menschen ansprechen, gehört dazu auch, dass nicht an allen Ecken und Ende die ohnehin zu knappen Gelder für die Jugendarbeit, die Schulen und Jugendzentren gekürzt werden. Dazu gehört auch, Ausbildungsplätze anzubieten und Azubis nach der Ausbildung im erlernten Job zu übernehmen. Dazu gehören nichtkommerzielle Freizeit- und Sportmöglichkeiten.

Wer hingegen die letzten Euros den Banken in den Rachen wirft oder teure Prestigebauten errichtet, der sollte sich nicht wundern, wenn die braunen Rattenfänger ihren Nutzen aus der Situation und der Perspektivlosigkeit der Menschen ziehen. Denn dies ist ihre objektive Rolle in unserer Gesellschaft: Sie lenken die Frustration und den Protest der Menschen in systemkonforme Bahnen, spalten die arbeitende bzw. arbeitslose Bevölkerung durch die Verbreitung rassistischer Ideologien und gehen – wie die Vorfälle in Dortmund zeigen – mit äußerster Brutalität gegen fortschrittliche Bewegungen vor.

Für uns als Organisationen der arbeitenden und lernenden Jugend ist klar, dass der Kampf für unsere Grundrechte immer auch den Kampf gegen den Faschismus beinhaltet. Doch wir wissen auch, dass, solange wir den Kapitalismus nicht überwunden haben, wir immer wieder mit diesem Problem konfrontiert sind.

Daher gilt für uns: Kampf dem Faschismus! Kampf dem Kapitalismus! Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt!
Dortmund - 18.12.10
Protest wegen Naziüberfall auf Hirsch-Q

Am späten Nachmittag haben sich ca. 200 Antifaschisten vor dem Hauptbahnhof, an der unteren Katarienentreppe getroffen, um gegen den anhaltigen Naziterror in der Stadt zu demonstrieren. Der konkrete Anlass war der Angriff von Mitgliedern der „Skinhead-Front Dorstfeld“ auf die „Hirsch-Q“-Bar in der Brückstraße in der Nacht zum 12. Dezember.

Pünktlich um 16 Uhr zog die Demo in Richtung Brückstraße. Hier wurde die erste Kungebung vor dem Hirsch-Q durchgeführt. In einem Redebeitrag forderten die anwesenden Antifas die  Dortmunder Gastronomie auf, Neonazis den Zugang zu verweigern und ihnen keine Räume als Treffpunkte zur Verfügung zu stellen.

Danach ging es weiter in Richtung Museum am Ostwall. Es folgte  eine zweite Kundgebung. Die Demo fand schließlich ihren Abschluß auf dem Friedensplatz.

Nazis, die zeitgleich im Zentrum unterwegs waren, erhielten  von der Polizei Platzverweise. Es wurde auch bekannt, dass eine Gruppe Nazis vom Hauptbahnhof mit der S-Bahn Richtung Oberhausen fuhren. Hier sollte an einem noch unbekannten Ort ein "Kathegorie C" Konzert stattfinden.
Dortmund
Dortmunder Antifa-Bündnis:
Kommt zur Demo am Samtag

Für Samstag, den 18.12., ruft das Dortmunder Antifa-Bündnis (DAB) zu einer Demonstration in der Dortmunder Innenstadt auf. Anlass ist der erneute brutale Überfall von Neonazis auf die alternative Kneipe „Hirsch Q“ in der Nacht von letztem Samstag auf Sonntag, bei dem mehrere Gäste verletzt wurden. Die Demonstration beginnt um 16:00 Uhr auf der Katharinenstraße Ecke Kampstraße.
Gegen 00:40 Uhr attackierten zehn bis fünfzehn Personen der neonazistischen Kameradschaft „Skinhead Front Dortmund-Dorstfeld“, beziehungsweise aus deren Umfeld, das Lokal und dessen Besucher_innen. Dabei wurde unter anderem die Fensterfront sowie die Eingangstür massiv beschädigt. Im Laufe der Auseinandersetzung wurden mehrere Personen auf beiden Seiten verletzt. Ein Gast erlitt eine Stichverletzung, die im Krankenhaus behandelt werden musste. Einem uns vorliegenden Augenzeugenbericht zufolge, stach beim Eindringen in die Kneipe einer der Neonazis blindwütig auf die Person ein. Darüber hinaus setzen die Neonazis Metallstühle, Barhocker, Flaschen und weitere Gegenstände als Hiebwaffen gegen ihre Opfer ein.

Dank der Gegenwehr der Besucher_innen konnte einer der angreifenden Neonazis vor Ort überwältigt und anschließend der Polizei übergeben werden. In der darauf folgenden Fahndung konnten elf Personen im Alter zwischen 18 und 38 Jahren des rechten Spektrums vorübergehend festgenommen werden. Einigen Neonazis gelang unerkannt die Flucht.

Die alternative Szenekneipe „Hirsch Q“ in Dortmund wurde seit 2006 nun zum sechsten Mal von einer großen Gruppe organisierter Neonazis gezielt, geschlossen und massiv angegriffen. Darüber hinaus gab es seit 2006 unzählige kleinere Übergriffe von lokalen und regionalen Neonazis gegen das Lokal und seine Gäste. Konsequenzen hatten die rechten Angreifer_innen jedoch nur selten zu befürchten. So wurden alle Verfahren gegen die Angreifer_innen des letzten Überfalls auf die „Hirsch Q“ Ende August dieses Jahres eingestellt. Es stellt sich die Frage, ob in Dortmund eine Art Straflosigkeit für Neonazis gilt. Wir fordern die Politiker_innen der Stadt Dortmund auf, sehr genau zu prüfen, wie es dazu kommt, dass dieses Verfahren eingestellt wurde und welche motivierenden Auswirkungen solcherlei Vorgehen auf die lokale Neonaziszene hat.

Es darf nicht sein, dass in Dortmund wieder Menschen durch anhaltenden Naziterror vertrieben werden: Nachdem im letzten Jahr eine Familie aus dem Stadtteil Dorstfeld wegziehen musste, geht es diesmal um die „Hirsch Q“ im Brückstraßenviertel. Nach dem Naziangriff überlegt der Betreiber der “Hirsch Q” seine Kneipe zu schließen, da er es nicht mehr verantworten könne, dass seine Gäste um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten müssten. Wir möchten die Demonstration deshalb auch dazu nutzen, die angrenzenden Kneipen und Geschäfte in der Brückstraße dazu aufzufordern, ein deutliches Zeichen der Solidarität mit der “Hirsch Q” zu setzen. Wir schließen uns deshalb der Mahnung an, die an der seit Sonntag geschlossenen Kneipe zu lesen ist: „Muss erst wieder ein Mensch sterben?

Zusätzliche Brisanz gewinnt der Überfall dadurch, dass sich unter den angreifenden Neonazis auch Sven Kahlin, der Mörder des 2005 erstochenen Punkers Thomas „Schmuddel“ Schulz, befand. Kahlin, der nach dem Mord zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war, ist vor wenigen Wochen vorzeitig entlassen worden. Seitdem ist er verstärkt in der rechten Szene aktiv und trat als Redner beim Naziaufmarsch am 23. Oktober in Hamm auf. Außerdem nahm er an Nazidemos am 17.10. in Leipzig und am 4.12. in Dortmund teil. Dabei fällt besonders sein gutes Verhältnis zu den Führungskadern der “Autonomen Nationalist_innen” auf.

Kahlin ist zwar sozial in der Skinheadszene beheimatet, genießt aber überdies bei den “Autonomen Nationalisten_innen” eine Art Heldenstatus und wird für seine damalige Tat gefeiert. Schon vor seiner Inhaftierung war Kahlin in der „Skinhead Front Dortmund-Dorstfeld“ aktiv. Zuletzt machte diese Neonazi-Gruppe im Februar 2009 mit ihrer Beteiligung an einem Angriff auf abreisende Gegendemonstrant_innen nach dem Naziaufmarsch in Dresden bundesweit auf sich aufmerksam.

Das Dortmunder Antifa-Bündnis DAB hat zur Entlassung des Mörders Kahlin auf dessen beabsichtigte nahtlose Wiedereingliederung in die Naziszene hingewiesen. Damals zogen 250 Demonstranten vor das sog. “Nationale Zentrum” in der Rheinischen Straße. Wir fühlen uns durch Kahlins Tatbeteiligung an dem neuerlichen Angriff auf die ‘Hirsch-Q’ leider in dieser Annahme bestätigt. Laut einem Pressebericht soll Kahlin ein Messer mit sich geführt haben. Trotz vieler Hinweise darauf, dass Kahlin nach seiner Entlassung wieder in der rechten Szene Fuß fassen und in Erscheinung treten würde, wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Nun hat sich gezeigt, welche juristische Fehlentscheidung dort gefallen ist. Leider erst nachdem Kahlin auf diese Weise in Erscheinung treten konnte.

Demo gegen Naziterror
Samstag 18. Dezember, 16:00 Uhr
Hauptbahnhof
Dortmund - 16.12.10
Pressemitteilung der Gaststätte Hirsch-Q zum Naziangriff vom 12.12.2010:

Hirsch-Q Dortmund, 16.12.2010
Brückstrasse 62
44135 Dortmund

Pressemitteilung und Gegendarstellung

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns auf diesem Wege an Sie, da wir mit der bisherigen Berichterstattung der Polizei- und Lokalpresse über den Neonazi-Angriff vom 12.12.2010 auf unser Lokal und seine Gäste nicht einverstanden sind. Wir verlangen eine Gegendarstellung!

Die Dortmunder Polizei spricht in ihren 2 Pressemitteilungen, von "Schlägerei im Lokal “Hirsch Q”" und " einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen (…) Personen der Rechten und Linken Szene, in deren Verlauf Messer und Reizgas eingesetzt wurden.". Diese Schilderungen wurden so von beiden großen Lokalzeitungen ohne eigene Recherche übernommen. Lediglich die BILD-Zeitung hielt es für notwendig eigene Recherche zu betreiben und außerdem das Gespräch mit uns Betreibern zu suchen.

Die besagten Schilderungen werden den Tatsachen nicht gerecht. Im Gegenteil, sie suggerieren, dass es sich hier um eine wechselseitige Auseinandersetzung zweier gleichberechtigter Konfliktparteien handelt.


Die Wirklichkeit sieht anders aus:
Betrachtet man nämlich zum einen das Publikum der Hirsch-Q und zum anderen die unzähligen Angriffe von Neonazis (seit 2006 mehr als 6 Angriffe/Zwischenfälle) mit denen der aktuelle Angriff in einen Kontext zu setzen ist, so wird schnell ersichtlich, dass es sich hier eben nicht um einen “Links-Rechts-Konflikt” handeln kann.

Unser Lokal ist eine zivile, gewinnorientierte und offiziell konzessionierte Einrichtung, welche sich nicht politisch betätigt. Das einzige politische Statement, was unsere Gaststätte vertritt ist, dass “Menschen die durch ihr Äusseres oder ihr Verhalten rassistische, faschistische sexistische und/oder xenophobe Gesinnungen erkennen lassen” keinen Zutritt zu unserem Lokal haben. Dies bewerten wir selbst jedoch nicht als politisches Engagement sondern als Selbstverständlichkeit. Nur weil wir damit in Dortmund nahezu alleine dastehen, reicht diese Tatsache nicht aus, um uns hierdurch in die “linksextreme Ecke” zu stellen. So gibt es z.B. im Sauerland eine öffentliche Kampagne vieler ansässiger Wirte, ebenfalls mit dem Ziel besagte Gesinnungen aus ihren Lokalitäten zu verbannen.

Unsere Gäste, die nun zum wiederholten Male Opfer massiver Gewalttaten wurden, kommen ausserdem nicht exklusiv aus einer Szene bzw. einer politischen Richtung. Im Gegenteil, unser Publikum setzt sich aus Stammgästen und zu einem großen Teil auch aus Laufkundschaft zusammen. So besuchen insbesondere am Wochenende Menschen unterschiedlichen Alters (18-80), unterschiedlicher Kulturen und Szenen das Lokal. So ist vom jungen Punk bis zum Anzugträger älteren Semesters alles vertreten. Natürlich sind unter unseren Gästen auch Anhänger des linken Spektrums, es entbehrt aber jeder Grundlage diese als dominierende oder alleinige Gäste darzustellen.
Unser Publikum besucht unser Lokal um hier einen netten Abend (oder Morgen) zu verbringen, neue Leute kennenzulernen und ggf. eine Partie Kicker oder Flipper zu spielen. Wir sind eine Institution des Dortmunder Nachtlebens und somit kommen die Gäste zum feiern hier her und nicht um sich hier politisch zu betätigen oder gar politische Auseinandersetzungen zu führen.

Unsere Stammgäste wissen jedoch (durch die vorausgegangenen Angriffe) um die Gefahr einer eventuellen Neonazi-Attacke. Aus diesem Problembewusstsein heraus erklärt sich die geschlossene Gegenwehr bei den letzten beiden Angriffen. Unsere Stammgäste entscheiden sich hierzu jedoch nicht bewusst, oder haben gar Freude daran, sondern werden durch die Angreifer gezwungen sich zur Wehr zu setzen, um schwerste Verletzungen oder gar die Tötung einzelner Gäste zu verhindern. So wurden im aktuellen Fall beispielsweise schwerere Stichverletzungen wohl nur durch die geschlossene Gegenwehr verhindert. Die Angreifer setzten nämlich mindestens 1 Messer im Tumult rücksichtslos gegen unsere Gäste ein.

Diese Sachverhalte sind der Dortmunder Polizei sehr wohl bekannt. Zum einen weiß sie welches Publikum die untere Brückstraße und unser Lokal frequentiert, zum anderen resultieren die typischen Polizeieinsätze in unserem Lokal aus (für die Nachbarn) zu lauter Musik und eben nicht aus dem Anlass politische Aktivitäten zu unterbinden. Die Polizei weiß somit, dass in unserem Lokal das Feiern und der Alkoholkonsum und nichts anderes im Mittelpunkt steht. Wir bewerten daher die vergangenen und aktuellen Pressemitteilungen der Polizeiführung bezüglich der Angriffe als bewusste Täuschung der Öffentlichkeit, um eine erneute öffentliche Diskussion über das Naziproblem in Dortmund und die damit verbundene Rufschädigung der Stadt von vorn herein zu unterbinden.

Dieser Zustand ist untragbar und wird rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht gerecht.
Die Polizei hat die klar definierte gesellschaftliche Aufgabe, die verfassungsmäßige Ordnung zu schützen und durchzusetzen. Sie ist darüber hinaus verpflichtet Straftaten konsequent und objektiv aufzuklären und zu verfolgen. Durch die permanente politische Verklärung der Umstände durch die Dortmunder Polizeiführung, wird diese auf der einen Seite ihrer Verantwortung gegenüber den Dortmunder BürgerInnen nicht gerecht und tritt auf der anderen Seite die Würde der Opfer mit Füßen.

Wir empfinden den Umgang der Polizei und der Medien mit der Thematik als äusserst gefährlich. Nach jedem Angriff wird von beiden Akteuren gebetsmühlenartig ein “Links-Rechts-Konflikt” konstruiert, den Opfern eine Mitschuld an den Taten zugesprochen und die gesellschaftliche Tragweite der Attacken verharmlost. Denn solange es als ein interner Konflikt der “beiden Extremistenlager” dargestellt wird, wird suggeriert, dass sich die Gesamtgesellschaft von den Geschehnissen kaum tangiert oder gar bedroht fühlen muss.
Wir haben in den 1930er Jahren gesehen, wo ein solcher Umgang mit Nazis hinführt.
Verschweigen, Verharmlosen und Verdrehen der Hintergründe maskiert das wahre Gesicht des Nazismus und ebnet ihm den Weg in die Mitte der Gesellschaft. Nur eine aufgeklärte, wehrhafte und geschlossene demokratische Gesellschaft ist in der Lage eine erneutes Erstarken des Nazismus zu unterbinden.
Es ist die heilige Pflicht von Polizei und Medien die demokratische Gesellschaft aufzuklären und ihr dadurch ein adäquates Handeln zu ermöglichen

Wir möchten die Dortmunder Polizei und die Dortmunder Lokalpresse somit abschließend bitten, ihre Berichterstattung zu überdenken und die von uns geschilderten Sachverhalte bei künftigen Veröffentlichungen zu beherzigen.
Darüber hinaus laden wir die Presse ein sich bei Gelegenheit selbst ein Bild unseres Lokals und seines Publikums zu machen. Außerdem möchten mir explizit darum bitten VOR Veröffentlichungen doch das Gespräch mit uns zu suchen und sich unsere Sicht der Dinge erklären zu lassen. Andernfalls trägt die Lokalpresse eine Mitschuld an der Verklärung der Umstände und ermutigt hierdurch die Täter weitere Taten zu begehen. Dies kann und sollte nicht im Interesse einer freien und demokratischen Presse liegen.

Mit freundlichen Grüßen
Gaststätte Hirsch-Q – Geschäftsführung
Dortmund - 11.12.10
Die Busse sind schon fast bestellt
Bündnis »Dresden Nazifrei« traf sich in Dortmund

Der jährliche Marsch in Dresden anlässlich der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg ist längst ein Kristallisationspunkt der Naziszene. Doch auch die Gegendemonstranten organisieren sich bereits.

Anfang Februar wollen sie wieder in Dresden marschieren: Tausende Neonazis und Rechtskonservative, die das Gedenken an die Bombardierung Dresdens zum Anker machen wollen für eine rechtsgewendete Erinnerungskultur. Ebenso hartnäckig sind indes ihre Gegner: Schon Monate vor dem Ereignis beriet am Samstag das Bündnis »Dresden Nazifrei« – im westfälischen Dortmund, weit weg von Sachsen und der Elbe. 80 Teilnehmer waren erschienen.
 
Die Organisatoren zeigten sich denn auch hochzufrieden. Azad Tarhan zum Beispiel, der jugendpolitische Sprecher der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen: »Unser Plan ging auf, den Anstoss für koordinierte und spektrenübergreifende Aktivitäten zu geben«. Tasächlich war eine bunte Mischung an Aktiven und Multiplikatoren aus einem Dutzend Städte in Nordrhein-Westfalen erschienen: Von der DGB- und ver.di-Jugend über Jusos, »autonome Antifa« und migrantische Organisationen wie DIDF oder die alevitischen Jugend bis hin zur Linkspartei reichte das Spektrum.

Diskutiert wurden Strategien, an die erfolgreichen Massenblockaden aus dem Winter 2010 anzuknüpfen sei. Am 13. Februar hatten Antifaschisten erstmals den jährlichen Nazimarsch in Dresden mittels Strassenblockaden verhindert. Bei klirrender Kälte hielten die Protestierenden trotz umfassender Versammlungsverbote den ganzen Tag über zentrale Plätze und Kreuzungen im Stadtteil Dresden-Neustadt besetzt.

Laut Tarhan laufen in den verschiedenen Städten die Vorbereitungen schon auf Hochtouren. »Das haben wir so nicht erwartet. Jetzt gehen wir gleich in die nächste Phase und werden uns bei Veranstaltungen, der Organisation von Bussen und lokalen Blockadetrainings koordinieren«.

Eröffnet worden war die Konferez mit einer Diskussion zwischen dem Linkspartei-Bundestagsabgeordneten Niema Movassat aus Oberhausen und einem Vertreter der Antifaschistischen Linken Berlin (ALB). Das ALB ist Teil des bundesweiten Antifabündnisses »No Pasarán!«, einer der Gründergruppen des bundesweiten Bündnisses »Dresden Nazifrei!«.

Anschliessend ging ein Vertreter des »Republikanischen Anwaltvereins« (RAV) auf rechtliche Fragen und Risiken ein. Im Januar 2010 hatte die Polizei auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden tausende Plakate und Flugblätter, die zu Blockaden in Dresden aufriefen, beschlagnahmt. Im Anschluss an die erfolgreichen Proteste hatte es Strafanzeigen gehagelt. Das bekannteste Verfahren richtet sich gegen Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Erfurter Landtag.

Praktisch ging es bei der Konferenz in Dortmund vor allem um die Organisation von Mobilisierungsveranstaltungen und von Bussen. »Das wird eine grosse Herausforderung im bevölkerungsreichsten Bundesland«, glaubt Tarhan.

Das Ende aber machte ein Blockadetraining: Geprobt wurden unter anderem Techniken der Sitzblockaden, das Bilden von Bezugsgruppen und das Durchfliessen von Polizeiketten. Und in dieser Disziplin sahen die Teilnehmer schon recht gut aus.
Quelle: Neues Deutschland, 13.12.10
Dortmund - 14.12.10
Neues von der „Skinhead Front Dortmund Dorstfeld“ :
Braune Gemeinschaften

Dortmund-Dorstfeld ist seit Jahren als Problemstadtteil mit hoher Neonazi-Quote bekannt. Jetzt sammeln sich Anhänger der „Skinhead Front Dortmund Dorstfeld“ gezielt im Wohngebiet um den Steinauweg.

„Das hat hier schon eine Art nationalsozialistischer Wohnqualität“ schimpft ein älterer Herr auf dem Bürgersteig in Dorstfeld. Ihm und anderen Bürgern ist nicht entgangen, dass sich seit Jahren immer mehr junge Männer aus dem Umfeld der „Skinhead Front“ mit ihren Familien im Dorstfelder Steinauweg einquartieren. An warmen Sommerabenden grillen sie gemeinsam draußen auf der Grünanlage zwischen den niedrigen Häusern, verrät eine Frau. Tätowierte Glatzköpfe spielen mit ihren Kindern fangen oder schubsen sie auf der Schaukel an. Während der Fußball-Weltmeisterschaft fand dort Public Viewing mit Saufgelagen statt. Manchmal werden die Rechten auch mit ihren Kampfhunden beim Gassi gehen beobachtet. Vorsichtig heißt es dann: „Die gehen Patrouille im Viertel“. Vor einigen Jahren gab es sogar ein Zeltlager mit etwa acht Zelten im Steinauweg. Gäste reisten an, es gab Einlasskontrollen, von weitem waren laute Reden zu hören.
 
Kinder wachsen in diesem Stadtteil mit dem Anblick von KuKuxKlan-Logos auf oder Shirts mit Aufschriften wie „Arbeit macht frei – wir machen einen Traum wahr. Bitte verlassen Sie unser Land durch den Schornstein“. „Dorstfeld bleibt Deutsch“ und „No go area – Dorstfeld“, heißen so Forderungen der Skinhead Front.

Konzentrierte Raumnahme der Kameradschaft

Seit Jahren berichten die Medien immer wieder über Autonome Nationalisten und deren Terror gegen kritische Menschen und Familien in Dorstfeld, die Kameradschaft wurde weniger wahrgenommen. Dabei nahm gerade deren konzentrierte Raumnahme zu.

2004 gegründet, wendete sich die braune Truppe lange der DVU im Dortmunder Stadtrat zu. Zwei ihrer Anhänger kandidierten 2009 beim kommunalen Wahlkampf für die Volksunion, Michael Wrobel und Patrick Brdonkalla, sie leben im Umfeld des Steinauweges. Brdonkalla saß bereits zwischen 2004 bis 2009 für die DVU in der Bezirksvertretung. Inzwischen sollen aber auch Wagen der NPD vorfahren, es werden Materialien ausgeladen. Enge Kontakte bestehen zur radikalen niederländischen Neonazi-Szene. Mehrere Angehörige von Combat 18 und Nationaal-Socialistische Aktie sollen in den letzten Wochen privat vorbeigeschaut
haben.
Patrick Brdonkalla für die DVU in der Bezirksvertretung
„Systematisch den Wahlkampf gestört“

2005 erstach ein jugendlicher Skinhead den Punk Thomas Schulz. Die Szene feierte dessen Tod. Im Februar vergangenen Jahres griffen Neonazis abreisende Gegendemonstranten in ihrem Bus auf dem Heimweg aus Dresden an der Autobahn an. Auf veröffentlichten Fotos wird einer der prügelnden Angreifer gezeigt, er trägt eine Jacke mit der Aufschrift „Skinfront Do-Dorstfeld“. Nur drei Monate später wird die 1. Mai-Kundgebung des DGB in Dortmund angegriffen – mit dabei: Dorstfelder Skinheads. In der Außenanlage im Steinauweg feiern sie daraufhin laut bis in die Nacht.
Angriff  auf einer Autobahnrststätte
Während des Kommunalwahlkampfes im Mai 2010 versuchte eine Gruppe von rund 20 Neonazis, Wähler davon abzuhalten, Wahllokale in Dorstfeld zu besuchen. Rüdiger von Chamier vom SPD-Ortsverein Altdorstfeld prangerte die neue Qualität dieser Provokation in einer Reihe von Vorfällen gegenüber den „Ruhr-Nachrichten“ an: „Sie haben systematisch unseren Wahlkampf gestört. Wenn wir einen Stand aufgebaut haben, sind die gekommen, haben sich rings um uns gestellt und so die Leute abgeschreckt.“

Schaffung einer Gegenkultur

Mittlerweile sollen die Neonazis in nahe beieinander gelegenen Häusern in einem Radius von ungefähr 200 Metern wohnen. Manche geben der Dortmunder Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (DoGeWo) eine Mitschuld, weil die freien Wohnraum an Neonazis vermietet.

Immer mehr Dorstfelder haben die Nase voll. Sie hören nachts Schüsse oder Böller, Gebrüll mit Neonazi-Parolen. Einige berichten jetzt von ihren Auszugsplänen gegenüber einem örtlichen Radiosender.

Doch jeder Wegzug heißt auch Resignation. Denn die Konzentration der Skinhead Front im Steinauweg hat Methode. Bundesweit siedeln immer mehr nationale junge Familien zur Schaffung einer eigenen Gegenkultur nicht nur in ländlichen Regionen an, sondern ziehen auch in städtischen Gebieten zusammen. „Das ist hier noch am Anfang, aber die rekrutieren sich untereinander“, warnt auch der erfahrene Sozialarbeiter Michael Ankele aus Ostsachsen. Der Präventionsexperte sieht die Tendenz dahingehend, dass braune Familien, die sich kein Eigentum leisten können, in Wohnblöcken zusammenziehen, um „Gemeinschaften zu bilden“. So geschehen zum Beispiel in Hoyerswerda, Zittau, Bautzen, Dresden – oder Dortmund-Dorstfeld.
Quelle: Blick nach Rechts, 30. 09.10 - Fotos: Archiv
NRW - 14.12.10
LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN
15. Wahlperiode
Drucksache 15/921
Datum des Originals: 13.12.2010 / Ausgegeben: 14.12.2010

Große Anfrage 1 
der Fraktion DIE LINKE
 

Neofaschismus bzw. Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen

Seit Jahren kommt es auch in Nordrhein-Westfalen zu Übergriffen neofaschistischer Personen und Gruppierungen auf Migrantinnen und Migranten, Nazigegnerinnen und Nazigegner, Lesben und Schwule sowie andere Personenkreise, denen seitens neonazistischer Personen und Organisationen de facto das Lebensrecht abgesprochen wird.

Vor allem in Dortmund und der Region Aachen, aber auch in anderen Teilen NRWs, hat sich eine feste Szene militanter sogenannter „Autonomer Nationalisten“ etabliert, die nahezu nach dem Vorbild der SA ihre Gegnerinnen und Gegner offen terrorisieren, bedrohen und vor Anschlägen auf deren Autos, Büroräume und Wohnungen und brutalen körperlichen Angrif-fen keinen Halt machen.

Hinzu kommen gegen sogenannte Minderheiten gerichtete Hasstiraden, die von den offen neofaschistisch agierenden Parteien wie der NPD und der DVU oder rechtspopulistischen Parteien wie „Pro NRW“ ausgehen.

Mancherorts, wie etwa in Aachen und Dortmund, wird die Existenz aktiver Netzwerke von Neofaschisten jedoch seit Jahren von der örtlichen Politik, Polizei und Justiz verharmlost und bagatellisiert. Ein solches Vorgehen stärkt den neonazistischen Gewalttätern im Endeffekt ebenso den Rücken wie die aktuell von etablierten Politikern wie Thilo Sarrazin (SPD) und Horst Seehofer (CSU) angestoßenen Kampagnen, die muslimfeindliche und rassistische Vorurteile in der Bevölkerung schüren und bedienen.

Um gegen neofaschistische, rechte und rassistische Personenkreise, Parteien und Organisationen verstärkt und zielgerichtet vorgehen zu können, gilt es, über deren Strukturen genau informiert zu sein.

Aus diesem Grund stellt die Fraktion DIE LINKE folgende Große Anfrage.

1. Die neofaschistische Szene in Nordrhein-Westfalen

1.1.1 Wie viele Personen gehören in NRW neofaschistischen bzw. rechtsextremen Parteien, Organisationen, Zusammenschlüssen und Gruppierungen (inkl. der sogenannten Autonomen Nationalisten) an (bitte einzeln nach jeweiliger Organisation und Geschlecht auflisten)?

1.1.2 Wie viele Mitglieder gelten als gewaltbereit?

1.1.3 Wie groß ist der Personenkreis, den oben genannte Organisationen, Parteien und ihre AktivistInnen und SympathisantInnen in NRW zu Demonstrationen, Konzerten und Veranstaltungen mobilisieren können?

1.2 Welche neofaschistischen bzw. rechtsextremen Parteien, Organisationen, Zusammenschlüsse und Gruppierungen (inkl. der sogenannten Autonomen Nationalisten und Kameradschaften) sind in NRW aktiv?

1.2.1 In welchen Städten NRWs existieren die aktivsten und größten neofaschistischen bzw. rechtsextremen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüsse (bitte sortiert nach Mitgliederstärke auflisten)?

1.3 Über wie viele politische Mandate verfügen VertreterInnen der oben genannten Parteien, Vereinigungen, Organisationen und Gruppierungen in den kommunalen Parlamenten (Kreistagen, Stadträten, Bezirksvertretungen) in NRW (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

1.4 Wie viele Internetseiten mit neofaschistischen bzw. rassistischen, islamfeindlichen und/oder antisemitischen Inhalten existieren in NRW bzw. mit NRW-Bezug?

1.4.1 Wie viele Internetseiten gehören davon neofaschistischen bzw. rechtsextremen und / oder rechten Parteien (bitte einzeln nach Partei und Ort auflisten)?

1.4.2 Wie viele Internetseiten gehören davon neofaschistischen bzw. rechtsextremen und / oder rechten Organisationen und / oder Zusammenschlüssen wie beispielsweise den sogenannten „Autonomen Nationalisten“ (bitte einzeln nach Zusammenschluss / Organisation und Ort auflisten)?

1.4.3 Wie viele Internetseiten werden davon allein von neofaschistischen bzw. rechtsextremen und / oder rechten Einzelpersonen verantwortet (bitte einzeln nach Orten auflisten)?

1.4.4 Wie viele Internetradios werden in NRW von neofaschistischen bzw. rechtsextremen und / oder rechten Organisationen und/oder Zusammenschlüssen wie beispielsweise den sogenannten „Autonomen Nationalisten“ betrieben (bitte einzeln nach Zusammenschluss/Organisation und Ort auflisten)?

1.5 Wie viele neofaschistische bzw. rechtsextremistische Bands existieren in NRW (bitte einzeln nach Städten sortiert auflisten)?

1.6 Wie viele neofaschistische bzw. rechtsextremistische Verlage existieren in NRW (bitte einzeln mit Sitz auflisten)?

1.7 Wie viele neofaschistische bzw. rechtsextremistische Versände (auch Internetversände) existieren in NRW (bitte einzeln mit Sitz auflisten)?

1.8 Welche neofaschistischen bzw. rechtsextremen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und / oder Zusammenschlüsse widmen sich in NRW der sogenannten Anti-Antifa-Arbeit (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

1.9 Welche neofaschistischen bzw. rechtsextremen Organisationen, Gruppierungen und / oder (Partei-) Zusammenschlüsse richten sich in NRW explizit an Frauen (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

1.10 Über wie viel Vermögen verfügen die neofaschistischen/rechtsextremen Parteien, Organisationen, Zusammenschlüsse und Gruppierungen (bitte einzeln nach Par-tei/Organisation und Ort auflisten)?

1.11 Welche Gebäude sind in NRW in Besitz neofaschistischer/rechtsextremer Parteien, Organisationen, Zusammenschlüsse und Gruppierungen (bitte einzeln nach Partei / Organisation und Ort auflisten)?

1.12 Über welche Schulungszentren und Veranstaltungsräume verfügen neofaschistische / rechtsextreme Parteien, Organisationen, Zusammenschlüsse und Gruppierungen (bitte einzeln nach Partei / Organisation und Ort auflisten)?

1.13 Welche neofaschistischen/rechtsextremen Parteien, Organisationen, Zusammen-schlüsse und Gruppierungen bzw. neofaschistische/rechtsextreme Personen bieten in NRW sogenannte „Wehrsportübungen“ an bzw. sind daran beteiligt (bitte einzeln nach Partei  /Organisation und Ort auflisten)?

1.14 Wie viele bekannte Rechte, Rechtsextreme / Neofaschisten stehen in NRW in einem Beamtenverhältnis (bitte einzeln nach Behörde und Ort auflisten)?

1.15 Wie bewertet die Landesregierung die geplante Verschmelzung von NPD und DVU?

1.15.1 Welche Auswirkungen hat die geplante Verschmelzung von NPD und DVU für die neofaschistische bzw. rechtsextreme Szene in NRW?

1.16 Welche sogenannten Burschenschaften rechnet die Landesregierung in NRW der rechten, rechtsextremen bzw. neofaschistischen Szene zu? (bitte einzeln nach Orten auflisten)?

1.17 Welche politische Bedeutung misst die Landesregierung den sogenannten Republikanern bei?

1.18 Welche Auswirkungen hatte das in diesem Jahr erlassene Verbot der neofaschistischen „Hilfsorganisation für nationale Gefangene und deren Angehörige e. V.“ (HNG) für die rechte bzw. rechtsextreme / neofaschistische Szene in NRW?

2. Personelle Verbindungen von Neofaschisten bzw. Rechtsextremisten

2.1.1 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofaschistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen und sogenannten Rockern (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

2.1.2 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofa-schistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen und Hooligans (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

2.1.3 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofaschistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen und Fußballfanclubs (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

2.1.4 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofaschistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen und türkischen Neofaschisten / Rechtsextremen (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

2.1.5 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofa-schistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und / oder Zusammenschlüssen und Kampfsportvereinen (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

2.1.6 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofa-schistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen und sogenannten Burschenschaften und Studentenverbindungen (bitte einzeln und nach Städten sortiert auflisten)?

2.1.7 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofa-schistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen aus NRW und im Ausland neofaschistisch bzw. rechtsextremistisch agierenden Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen (bitte einzeln und nach Ländern sortiert auflisten)?

2.1.8 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofa-schistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen aus NRW und in den Niederlanden neofaschistisch bzw. rechtsextremistisch agierenden Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen, wie beispielsweise der „Nederlandse Volks-Unie“ (NVU) (bitte einzeln und nach Ländern sortiert auflisten)?

2.1.9 Welche personellen Verflechtungen bzw. Kooperationen existieren zwischen neofaschistischen bzw. rechtsextremistischen Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen aus NRW und neofaschistisch bzw. rechtsextremistisch agierenden Parteien, Organisationen, Gruppierungen und/oder Zusammenschlüssen in Niedersachsen (bitte einzeln und nach Ländern sortiert auflisten)?

2.1.10 Welche NRW-weite Vernetzungsbestrebungen der lokal agierenden sogenannten Freien Kameradschaften und Autonomen Nationalisten sind der Landesregierung bekannt?

2.1.11 Wie bewertet die Landesregierung das Verhältnis von sogenannten Autonomen Nationalisten und der NPD in NRW?

2.1.12 Wie bewertet die Landesregierung das Verhältnis von sogenannten Autonomen Nationalisten und „Pro NRW“?

2.1.13 Wie bewertet die Landesregierung das Verhältnis von NPD und „Pro NRW“ in NRW?

3. Neofaschistische Straftaten

3.1.1 Wie viele Straftaten mit neofaschistischem bzw. rechtsextremem, rassistischem, islamfeindlichem und/oder antisemitischem Hintergrund wurden zwischen 2005 bis 2010 in NRW verübt (bitte nach Ort und Art der Straftat auflisten)?

3.1.2 Wie viele Straftaten davon richteten sich gegen (vermeintliche) islamische Einrich-tungen bzw. Muslime?

3.1.3 Wie viele Straftaten davon richteten sich gegen (vermeintliche) jüdische Einrichtun-gen bzw. Juden?

3.1.4 Wie viele Ermittlungsverfahren wegen eines (zu vermutenden) neofaschistischen bzw. rechtsextremen, rassistischen, islamfeindlichen und/oder antisemitischen Hin-tergrunds wurden zwischen 2005 bis 2010 in NRW eingeleitet und mit welchen Er-gebnissen durchgeführt (bitte nach Ort und Art des Vorwurfs und Ergebnis auflis-ten)?

3.2 Wie viele Morde bzw. Tötungsdelikte wurden seit 1995 in NRW bzw. von nordrhein-westfälischen Neofaschisten/Rechtsextremisten verübt (bitte einzeln und nach Städ-ten sortiert auflisten)?

3.3 Wann gelten für die Landesregierung Gewalttaten, Morde und/oder Tötungsdelikte als rechtsextrem/neofaschistisch motiviert?

3.3.1 Sind Sachbeschädigungen, bei denen beispielsweise rechte, neofaschisti-sche/rechtsextreme Parolen bzw. Symbole an Privatwohnungen von Nazigegnern geschmiert werden, für die Landesregierung politisch motivierte Sachbeschädigun-gen?

4. Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen von Neofaschisten bzw. Rechtsextremisten

4.1.1 Wie viele Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen fanden zwischen 2007 und 2010 organisiert bzw. mit Beteiligung von Neofaschisten/Rechtsextremisten in NRW statt (bitte nach Zeitpunkt, Ort und Referenten auflisten)?

4.1.2 Wie viele Konzerte, sogenannte Liederabende bzw. sonstige Musikveranstaltungen fanden zwischen 2007 und 2010 organisiert bzw. mit Beteiligung von Neofaschis-ten/Rechtsextremisten in NRW statt (bitte nach Zeitpunkt, Ort und Bands/Musikern auflisten)?

4.1.3 Wie viele Versammlungen (Demonstrationen, Kundgebungen, sogenannte Mahn-wachen usw.) fanden zwischen 2005 und 2010 organisiert bzw. mit Beteiligung von Neofaschisten/Rechtsextremisten in NRW statt (bitte sortiert nach Zeitpunkt, Ort, Motto und Veranstalter auflisten)?

5. Einfluss neofaschistischer, rechtsextremistischer und rechter (Internet-) Publikationen in NRW

5.1.1. Welche neofaschistischen und rechtsextremistischen Publikationen werden in NRW verbreitet (bitte nach Höhe der Auflage auflisten)?

5.1.2 Wie schätzt die Landesregierung den Einfluss des NPD-Organs „Deutsche Stimme“ auf die neofaschistische / rechtsextreme Szene in NRW ein?

5.1.4 Wie schätzt die Landesregierung den Einfluss der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ auf die neofaschistische / rechtsextreme Szene in NRW ein?

5.1.5 Wie schätzt die Landesregierung den Einfluss der islamfeindlichen Internetpräsenz „politically incorrect“ auf die neofaschistische / rechtsextreme Szene in NRW ein?

5.1.6. Wie schätzt die Landesregierung den Einfluss der neofaschistischen Internetpräsenz „de.altermedia.info“ auf die neofaschistische / rechtsextreme Szene in NRW ein?

6. Bedrohung von Nazigegnerinnen und Nazigegnern

6.1.1 Wie viele Fälle von Bedrohungen von Antifaschisten durch Neofaschisten bzw. Rechtsextreme sind der Landesregierung für den Zeitraum 2005 - 2010 bekannt (bitte nach Ort und Zeitpunkt auflisten)?

6.1.2 Um welche Art von Bedrohung handelte es sich jeweils (bitte nach Gewalttat, Be-drohung/Nötigung usw. auflisten)?

6.2. Wie viele Personen wurden durch Neofaschisten bzw. Rechtsextreme im Rahmen von Aktivitäten der sogenannten Anti-Antifa als Gegner von Neonazis geoutet (bitte einzeln nach Zeitpunkt und Ort auflisten)?

6.2.1 Wie viele davon im Rahmen von Flugblattaktionen? (bitte einzeln nach Zeitpunkt und Ort auflisten)?

6.2.2 Wie viele (vermeintliche) Nazigegnerinnen und Nazigegner wurden im Zeitraum von 2005 bis (einschließlich) 2010 von Neofaschisten bzw. Rechtsextremisten im Internet diffamiert/geoutet (bitte einzeln nach Zeitpunkt und Ort auflisten)?

6.2.3 Wie viele davon mit Anschrift und / oder Foto? (bitte nach Orten aufschlüsseln)?

6.2.4 Wurden Opfer neofaschistischer bzw. rechtsextremer Outing- und Diffamierungsaktivitäten von den Polizei- und Sicherheitsbehörden informiert?

6.3.5 Wenn nein, warum nicht?

6.3.6 Wenn ja, wie viele wurden genau darüber in Kenntnis gesetzt (bitte nach Städten und Zeitpunkten sortiert auflisten)?

6.3.7 Was genau wurde zum Schutz der Betroffenen veranlasst (bitte einzeln nach Ort und Fall auflisten)?

6.3.8 Teilt die Landesregierung die Einschätzung vieler Opfer von Bedrohungen durch die sogenannte Anti-Antifa, dass sie von den Sicherheitsbehörden allein gelassen und nicht ausreichend geschützt würden?

6.3.9 Wie bewertet die Landesregierung den Umstand, dass etablierte Zeitungen wie der „Tagesspiegel“ und „Die Zeit“ seit 1990 über 137 durch Neonazis/Rechtsextreme ermordete Menschen gezählt haben und diese Zahl der Darstellung von Polizei und Verfassungsschutz widerspricht?

6.3.9.1 Was sind die Gründe für diese nicht deckungsgleiche Zählweise?

6.3.9.2 Warum gilt der Mord, den der Neonazi Thomas A. im Oktober 2003 in Overath bei Köln an einem Rechtsanwalt, dessen Frau und deren Tochter beging, der Landesregierung nicht als Morddelikt eines Neonazis?

Anna Conrads
Bärbel Beuermann
Wolfgang Zimmermann
und Fraktion
Bochum - 13.12.12
Filmabend: „Das braune Chamäleon“

Am Freitag, den 17. Dezember zeigt die Kerzner Familie den Film „Das braune Chamäleon“ ab 20:00 Uhr im Sozialen Zentrum.

Inhalt: Das braune Chamäleon Die Erscheinungsform von Rechtsextremen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Neonazis wie die »Autonomen Nationalisten« sind auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden von den Angehörigen linker Subkulturen. Rechtspopulisten wie die Mitglieder der »Pro-Bewegung« versuchen, sich bürgernah zu geben. Der Film beschreibt diese Strömungen aus verschiedenen Blickwinkeln: · Hans-Peter Kilgus vom NS-Dokumentationszentrum Köln beschreibt Ausprägungen der rechten Szene. · Matthias Adrian war Funktionär bei der NPD, distanzierte sich aber nach und nach von der rechtsextremen Ideologie. Er berichtet von seinen Erlebnissen als organisierter Neonazi. · Andreas ist als 11jähriger zu einer Gruppe Rechtsradikaler gestoßen. Er beschreibt, welchen Reiz sie auf ihn ausübte. · Schüler und Lehrer berichten über den Umgang mit der Thematik Rechtsextremismus an der Schule. · Veranstaltungen von »Pro-NRW« und den »Autonomen Nationalisten« sowie Gegenkundgebungen werden dokumentiert. Außerdem behandelt der Film die Frage, wie Widerstandes möglich und sinnvoll sind.

Die Premiere des Dokumentarfilms vom Medienprojekt Wuppertal »Das braue Chamäleon« am 30. November im Wuppertaler CinemaxX wurde von Rechtsradikalen gestört. 15 bis 20 junge Rechtsradikale randalierten im Foyer des Kinos, griffen einen Ordner an und sprühten Pfefferspray gegen Kinobesucher/innen. Außerdem wurden von ihnen rechtsradikale Chöre skandiert. Bei der Aktion wurde ein Ordner verletzt und viele Besucher/innen hatten durch das Pfefferspray der Rechten Reizungen in den Augen. Beim Eintreffen der Polizei flüchteten die Rechten, einer von ihnen konnte durch einen Ordner festgenommen und der Polizei übergeben werden. Die Filmpremiere wurde mit einiger Verspätung dann mit anschließender Diskussion durchgeführt. Im Verlauf des Abends konnten 12 weitere beteiligte Rechtsradikale in der Stadt von der Polizei festgenommen werden.

2010, 90 Min., freigegeben ab 12 Jahren, http://www.medienprojekt-wuppertal.de/3_55.php
Dortmund - 12.12.10
Film von dem Naziüberfall auf Hirsch-Q

video

Quelle: Überwachungskamera
Dortmund - 12.12.10
Spontandemo nach Neonaziangriff

Etwa 100 Menschen demonstrierten heute spontan gegen Gewalt von Neonazis. Vom Stadtgarten bis zur Reinoldikirche zog die Demonstration über den Weihnachtsmarkt.
Kundgebung auf dem Weihnachtsmarkt
Anlass war der vorgestrige Angriff von Neonazis auf die Kneipe „Hirsch-Q“ in der Dortmunder Innenstadt. Ca. 15 - 20 Angehörige der so genannten „Skinhead Front Dortmund Dorstfeld“ hatten gegen 0:40 Uhr Besucher_innen der Kneipe angegriffen. Es gab mehrere Verletzte, ein Gast musste mit Stichverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei nahm später elf Nazis fest. Unter diesen befand sich Sven Kahlin, der am vergangenen 1. Oktober wegen dem Mord an Thomas Schulz auf Bewährung entlassen wurde.

Die Demonstration zog – mit bengalischen Lichtern untermalt – durch die Innenstadt. Auf Transparenten wurde dazu aufgerufen, gemeinsam gegen Nazis zusammenzustehen. Während der Demonstration wurden Flugblätter an Passant_innen verteilt, die über die Vorfälle in der Nacht auf Sonntag aufklärten.

Am Rande der Demonstration hielt sich ein Neonazi auf, der nicht nur an seiner Thor-Steinar-Kleidung als solcher auszumachen war, sondern auch an seinen Sprüchen, mit denen er die Antifaschist_innen zu provozieren versuchte. Daraufhin folgte eine handfeste Reaktion einiger Demonstrant_innen zum Nachteil des Faschisten, woraufhin dieser später ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

An der Reinoldikirche löste sich die Demonstration auf. Die sichtlich überforderte Polizei versuchte noch, Demonstrant_innen festzuhalten. Sie kontrollierte wahllos Gruppen von Menschen im Bereich der Innenstadt und verteilte Platzverweise.
Quelle: Indymedia, 13.12.10
Oberhausen - 12.12.10
Gedenkhalle wiedereröffnet

Am Sonntag, 12. Dezember, wurde die umgebaute Gedenkhalle Oberhausen wiedereröffnet. Die neue Dauerausstellung „Oberhausen im Nationalsozialismus“ widmet sich der Dokumentation der Geschichte des Nationalsozialismus in Oberhausen.

Die Gedenkhalle Oberhausen ist das älteste zeithistorische Museum in Westdeutschland, das sich mit den Geschehnissen der Jahre 1933 bis 1945 befasst. Schon 1962 wurde hier eine erste Ausstellung eröffnet. Nachdem zuletzt in den 1980er Jahren eine gelungene Überarbeitung stattgefunden hatte, bestand nun nach mehr als 20 Jahren wieder die Notwendigkeit, die Gedenkhalle von Grund auf zu modernisieren. Zukünftig sollen die aktuellen Bedürfnisse von Museumsbesuchern, eine anregende Darstellung von Geschichte vorzufinden, noch besser berücksichtigt werden. Zugleich wird die neue Dauerausstellung in der Gedenkhalle neue Erkenntnisse zur Stadt- und Regionalgeschichte auf zeitgemäße Art und Weise vermitteln. Erstmals auch wird die Gedenkhalle dabei mit dem Thema der ‚Zwangsarbeit im Ruhrgebiet’ einen thematischen Schwerpunkt setzen, der über die Stadt hinaus von paradigmatischer Bedeutung ist, da Zwangsarbeiter im gesamten Ruhrgebiet eingesetzt wurden. Insofern wird die neue Dauerausstellung jenseits der Stadtgeschichte künftig auch für Auswärtige von großem Interesse sein. Mit der neuen Ausstellung wird ermöglicht, das Publikum mit zeitgemäßen Medien anzusprechen und ihm auf ansprechende Weise historische Informationen anzubieten.
 
Die Ausstellung setzt darauf, dass auch den jüngeren Generationen durch die neue Ausstellung ein vertieftes Verständnis für die Geschichte Oberhausen zwischen 1933 und 1945 vermittelt werden kann. Die Stadt Oberhausen betrachtet dies als die notwendige sachliche Basis, um sich zukünftig auf einer objektiven historischen Folie auch für die demokratische Gesellschaftsordnung einsetzen zu können. Wir bieten ein umfassendes museumspädagogisches Angebot an.

Öffnungszeiten und offene Führungen:
Öffnungszeiten Di bis So 11-18 Uhr, Mo und am 24.12., 25.12, 31.12.210 geschlossen
Eintritt: frei
Dortmund - 12.12.10
Naziüberfall auf "Hirsch Q"

Heute Morgen gegen 1 Uhr,wurde die alternative Kneipe Hirsch-Q in der Dortmunder Brückstraße erneut von einer Gruppe Nazis angegriffen.

Eine Gruppe von 15 bis 20 Nazis kam aus Richtung Innenstadt und stürmten in die alternative Kneipe Hirsch-Q in der Brückstraße. Die Angreifer gehörten eindeutig, durch Logos an Jacken zu erkennen, der Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld an. In der Kneipe versuchten sie einen möglichst großen Sachschaden herbeizuführen und zogen einzelne Menschen auf die Straße. Auf diese wurde eingetreten und mit Barhockern eingeschlagen. Auch wurden Pfefferspray und Messer eingesetzt. Gäste der Kneipe und eines benachbarten Imbisses, die den am Boden liegenden Menschen helfen wollten, wurden ebenfalls attackiert.

Nach Polizeiangaben erlitten insgesamt acht Personen Verletzungen. Im Laufe der Auseinandersetzung gab es mehrere Verletzte auf beiden Seiten. Unter den Verletzten befanden sich mehrere Besucher_innen der Hirsch-Q, ein Gast erlitt eine Schnittverletzung die im Krankenhaus behandelt werden musste.Durch die Gegenwehr der Besucher konnte einer der Neonazis vor Ort überwältigt und anschließend der Polizei übergeben werden. In der darauf folgenden Nahbereichsfahndung konnten laut Angaben der Polizei zehn Faschisten festgenommen werden.

Hirsch-Q war in der letzten Zeit immer wieder Ziel von Angriffen aus der Naziszene, zuletzt am 26. August. Dabei gehen die Neonazis mit erheblicher Gewalt gegen Sachen und Menschen vor und nehmen lebensgefährliche Verletzungen bewusst in kauf. Folgen haben die rechten Angreifer dabei allerdings nur selten zu befürchten. So wurden alle Verfahren gegen die Angreifer des letzten Überfalls vom August mitlerweile eingestellt.
Hattingen - 09.12.10
Multiplikatorenfortbildung gegen Rechtsextremismus

Mit einer bundesweit einmaligen Fortbildung zur "Fachkraft Rechtsextremismus-Prävention“ will die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen das Engagement gegen Rechtsextremismus weiter stärken. Die berufsbegleitende Fortbildung richtet sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Schulen, Verbänden, Jugendeinrichtungen, Initiativen oder Verwaltungen, die sich haupt- oder ehrenamtlich für das Thema "Rechtsextremismus-Prävention“ qualifizieren wollen. Ministerin Ute Schäfer sagte dazu heute in Düsseldorf: "Der beste Schutz für unsere Demokratie sind engagierte und informierte Bürgerinnen und Bürger. Rechtsextremismus fordert uns immer wieder heraus. Umso wichtiger ist die Aufklärung. Dazu gehören fundierte Kenntnisse vor allem über neue Formen des Extremismus. Hier setzt die neue Schulung der Landeszentrale an“, erklärte Familien- und Jugendministerin Ute Schäfer. Studien zufolge nähmen rechtsextremistische Einstellungen seit einigen Jahren wieder zu. Das gelte es sehr ernst zu nehmen.
 
Die Fortbildung beginnt im Januar 2011 und endet im April 2012. Sie umfasst acht Wochenendseminare und eine viertägige Blockveranstaltung. Veranstaltungsort ist das Jugendbildungszentrum Hattingen. Die Schulung will über den aktuellen Rechtsextremismus informieren, das heißt vor allem seine Ideologien, Strukturen und Strategien analysieren. Wichtige Stichworte sind: Rechtsextremismus und Internet, Einstiegsprozesse, Musik mit rechtsextremistischen Texten, Erlebniswelt Rechtsextremismus. Daneben werden Kenntnisse über demokratische Strategien im Sinne von "best-practice“ Beispielen vermittelt. Hier gibt die Fortbildung Antworten etwa auf die Frage, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, Rechtsextremismus zu bekämpfen. Kooperationspartner sind das DGB-Bildungswerk Bund e.V. und die Gewalt Akademie Villigst.

Die Teilnehmenden erhalten zum Abschluss ein Zertifikat "Fachkraft Rechtsextremismus-Prävention“ mit einer Referenz der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, des DGB-Bildungswerkes und der Gewalt Akademie Villigst. Bewerbungen für die Fortbildung sind ab sofort möglich.

Nähere Informationen hierzu findet man unter:
www.multiplikatorenbildung.de/multiplikatoren/fachkraft-rechtsextremismus
http://www.gewaltakademie.de/
Infoblatt
Bochum - 08.12.10
Entsetzen und Empörung

Mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution hat die Bezirksvertretung die Schändung des jüdischen Friedhofs an der Bochumer Straße in scharfen Tönen verurteilt.

Wie berichtet, hatten bisher unbekannte Täter am Wochenende vom 20. auf den 21. November sämtliche Grabsteine und den Gedenkstein auf der Ruhestätte mit Hakenkreuzen und SS-Runen besprüht. Kurz zuvor – in der Nacht vom 18. auf den 19. November – war auch das für die Opfer der Shoa errichtete gläserne Mahnmal am Nivellesplatz mit Nazi-Symbolen geschändet worden. Schüler der Merian-Gesamtschule, die für Recherchen zum Stolperstein-Projekt in der Gegend unterwegs waren, entfernten spontan mit Hilfe von Waschbenzin die Schmierereien.
Die Bezirksvertretung fordert explizit die Strafverfolgungsbehörden auf, alles zu unternehmen, um die Täter zu ermitteln und zu bestrafen. Bürger, die Angaben zu dem Frevel machen können, werden von den Politikern aufgerufen, sich bei der Polizei zu melden.

Bezirksbürgermeister Hans Balbach: „Wir sind entsetzt und empört. Die Nazischmierereien sind eine gezielte Provokation aller freiheitlich denkenden Menschen. Diese Schändung von Gräbern und Mahnmalen, die von Hass und antidemokratischer Gesinnung motiviert sind, verurteilen wir mit aller Entschiedenheit.“

In der Resolution heißt es dann unter anderem: „Die Schmierereien bestätigen die Bezirksvertretung in ihrem Bestreben, junge Menschen aus den Schulen in die Gestaltung der Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht und zum Volkstrauertag einzubeziehen, um durch die intensive Auseinandersetzung mit den geschichtlich belegten Gräueltaten des Naziregimes vor Neo-Faschismus und rechtsradikalem Gedankengut zu warnen.“

Ausdrücklich begrüßt wird von der Bezirksvertretung die Ankündigung der Landesregierung, ihre Anstrengungen gegen antidemokratische Tendenzen zu verstärken und dabei insbesondere Projekte gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu etablieren. Auch jede private Initiative sei willkommen.

Als „beratendes Mitglied“ der Bezirksvertretung war der in Wattenscheid beheimatete NPD-Landesvorsitzende und Bochumer Stadtverordnete Claus Cremer im Rathaus an der Ebert-Straße zugegen. Er bekam zu hören: „Auch die Mitglieder der Bezirksvertretung sagen: „Wir sind Bochum, Nazis sind es nicht.“
Quelle: Der Westen, 08.12.10
Essen - 08.12.10
Unesco-Schule mit Hakenkreuzen beschmiert

Unbekannte Täter haben das städtische Unesco-Aufbaugymnasium verwüstet und mehr als 50.000 Euro Schaden hinterlassen. Unter anderem beschmierten sie die Fenster mit Hakenkreuzen. Besonderheit der Schule ist der hohe Migrantenanteil.

Unbekannte Einbrecher haben in der Nacht auf Mittwoch verheerende Schäden im Unesco-Aufbaugymnasium (Südostviertel) angerichtet. Der Sachschaden liegt bei mindestens 50 000 Euro. Die Täter, die durch ein Fenster ins Gebäude drangen, sprühten Hakenkreuze an die Scheiben, klebten Türen mit Silikon zu, verstopften Abflussrohre und ließen das Wasser laufen. Sie leerten Feuerlöscher, übersprühten Bilder, brachen Deckenplatten heraus – und ließen am Ende etwa 100 lebende Heuschrecken laufen.
 Ein Reinigungsdienst entdeckte am frühen Morgen die Schäden und alarmierte die Polizei. Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff schickte alle 500 Schüler gestern wieder nach Hause; am heutigen Donnerstag soll der Unterricht wieder stattfinden – trotz der erheblichen Wasserschäden, die entstanden sind.

Dies ist der zweite Fall von extremem Vandalismus, dem sich die Schule ausgesetzt sieht. Bereits Ende September hatten Unbekannte an einem Wochenende im Gebäude Farbe und Öl auf dem Boden verbreitet – und schon damals lebende Tiere zurückgelassen. Da waren es Maden.

Schüler aus 40 Nationen

Die Hakenkreuze legen nahe, dass Ausländerfeinde am Werk waren – doch derzeit wird spekuliert, ob die Täter die Ermittler womöglich auf eine falsche Spur bringen wollen. Das Unesco-Aufbaugymnasium zählt zu den weiterführenden Schulen mit dem höchsten Migranten-Anteil in Essen – er liegt bei 60 Prozent. Als Aufbau-Gymnasium richtet es sich an gute Real- und Hauptschüler, die sich dazu entschließen, in Richtung Abitur zu wechseln. Schüler werden aufgenommen in Klasse 7 und in Stufe 11. Die Schule wird besonders von Kindern und Jugendlichen aus Krisen- und Kriegsgebieten aufgesucht. Die Schüler kommen aus 40 Nationen. Gegründet wurde es vor Jahrzehnten, um mehr Arbeiterkindern den Zugang zum Abitur zu ermöglichen.

„Der Übergriff trifft die Unesco-Schule als Schule, die seit Jahrzehnten für eine Atmosphäre der Toleranz und Gewaltfreiheit steht“, sagt Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff. „Es wird alles Erdenkliche unternommen, die Sicherheit der Schüler zu gewährleisten.“ Die gute Atmosphäre werde man sich durch „Willkür-Aktionen Einzelner“ nicht zerstören lassen.

Die Polizei hat den Staatsschutz eingeschaltet, der bei politischen Taten eingeschaltet wird. Doch Sprecher Raymund Sandach betont, dass weiter in alle Richtungen hin ermittelt werde: „Wenn Hakenkreuze auftauchen, müssen wir automatisch den Staatsschutz einschalten. Ob es sich aber tatsächlich um eine rechtsextreme Tat handelt, kann noch nicht gesagt werden.“
Quelle: Der Westen, 08.12.10
Dortmund - 08.12.10
Prozess gegen Neonazi wird neu aufgerollt

Neuer Prozess gegen einen Neonazi vor der 45. Strafkammer des Landgerichtes: Wegen Körperverletzung sollte der 32-Jährige laut Urteil eines Amtsrichters 2800 Euro Geldstrafe zahlen sowie 800 Euro Schmerzensgeld an das Opfer, einen Studenten. Außerdem sollte der Rechte für eventuelle Spätfolgen der Verletzung – Nasenbeinbruch und erhebliche Blessuren im Gesicht – aufkommen.

Der Staatsanwaltschaft war dieses Urteil zu mild, der Verteidigung, die damals auf Freispruch plädiert hatte, schien es völlig unangemessen: Beide zogen in Berufung.
Amtsrichter zeigte sich in erster Instanz von der Schuld überzeugt

Für den Amtsrichter war es in erster Instanz keine Frage, dass es der Angeklagte war, der dem Studenten am 4. September 2008, zwei Tage vor der Demonstration gegen Rechts, auf dem Westenhellweg nahe Kaufhof mit einem gezielten Schlag das Nasenbein brach.

Auch das Opfer, das noch immer unter Sehstörungen leidet, sagte gestern mehrmals: „Einer der Männer, die auf mich zukamen, war der Angeklagte, hundertprozentig.“ Laut eigener Aussage kam er nicht aus politischen Gründen nach Dortmund, sondern um seine Bekannte zu besuchen. Eine kleine, sehr energische und mutige Frau, die auch an diesem Abend auf der Katharinentreppe tat, was sie so häufig tut: „Wenn die Rechten ihre Flugblätter an Passanten verteilen, dann spreche ich die Leute höflich an und versuche, die Blätter einzusammeln.“
„Der eine schlug Benjamin sofort aufs Auge“

Was den Rechten ihrer Schilderung nach gründlich missfiel. „Auf dem Westenhellweg kamen zwei Männer auf uns zu, ich dachte nur: Nazis. Der eine schlug Benjamin sofort aufs Auge, der andere trat mich zu Boden.“ Den Opfern gelang die Flucht, allerdings in verschiedene Richtungen. Was fatal für den Studenten war: Er sah sich an der nächsten Ecke plötzlich vier bis fünf Rechten ausgeliefert. „Sie schlugen und traten auf mich ein.“ Während die zweite Gruppe nicht ermittelt werden konnte, will die Frau den Angeklagten einen Tag später auf einer Kundgebung gesehen haben. Ein Demonstrant machte auf ihre Bitte hin ein Foto, das dann der Polizei vorgelegt wurde.

Der angeklagte Rechte indes blieb auch gestern dabei: „Ich habe lediglich Flugblätter verteilt. Sonst nichts.“ Der Prozess wird am 20 Dezember fortgesetzt. Dann ist auch mit einem Urteil zu rechnen.
Quelle: Der Westen, 08.12.10