Castrop-Rauxel - 02.12.11
Jurist lehrt Achtsamkeit

Rainer Kock, Staatsanwalt aus Essen, hielt in der Janusz-Korczak-Gesamtschule einen Vortrag über das Thema Rechtsradikalismus.

Rechtsextreme werben zunehmend im Internet für ihre braunen Inhalte. Um neue Anhänger zu rekrutieren, nutzen sie die sozialen Netzwerke, indoktrinieren auf Facebook und Co. vor allem junge Menschen – unauffällig, scheinbar harmlos. Und genau das macht es so gefährlich.

„Das Internet ist zur Zeit das größte Verbreitungsgebiet für dieses Gedankengut“, erklärte Rainer Kock, Staatsanwalt aus Essen. Er behandelt in seinem Dezernat sämtliche Verfahren mit politischem Hintergrund. Vergangenen Donnerstag berichtete er im Forum der Janusz-Korczak-Gesamtschule über seine Arbeit. In erster Linie aber klärte der Jurist über das Thema Rechtsradikalismus auf. Rund 60 Jugendliche aus den Jahrgangsstufen zehn und 13, darunter auch die Schüler der Rechtskunde-AG, hörten ihm interessiert zu.

„Dieses Thema war noch nie so im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie jetzt“, sprach der Staatsanwalt die rechtsextremistische Mordserie an. „Was aber bringt die aktuelle Diskussion?“, fragte er, um sogleich die Antwort zu geben: „Es ist wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen, um aufzuzeigen, welchen Einfluss eine solche Denkstruktur nehmen kann.“ Es gelte, Bewusstsein zu schaffen. Achtsamkeit sei ganz wesentlich, da die Szene unauffällig agiere. Beispiel Internet: „Sie werben für Ferienfreizeiten, die günstig sind, erschleichen sich so vor allem das Vertrauen von Jugendlichen aus sozial schwachen Familien“, erklärte Kock. „Es ist die Rede von gemeinsamen Nachtwanderungen, die plötzlich zu Fackelmärschen werden.“ Die Jugendlichen erleben in diesen Freizeiten Gemeinschaft, fühlen sich geborgen. Kock: Es entstehe eine innere Verbundenheit. „Die Jugendlichen hinterfragen nicht mehr und werden so langsam aufgebaut.“ Der nächste Schritt: „Sie werden zur Teilnahme an Demos animiert“, sagte Kock, der auch über rechte Symbolik, Kleidung und Musik aufklärte und über die Grenzen der Strafbarkeit. Zudem diskutierte er mit den Schülern über das derzeit viel debattierte NPD-Verbot. Kock erläuterte, dass deren Parteiprogramm zwar umstritten, aber nicht verfassungswidrig sei. Für Kock somit eine schwierige Angelegenheit.

Für die beiden 18-Jährigen Chrisowalandis Polichronidis und Mirelle Möller hingegen ist die Sache klar: „Ein NPD-Verbot wäre jetzt wichtig.“
Quelle: Der Westen, 02.12.11 - von Sabine Latterner