Oberhausen - 17.02.12
Zwickau ist überall
Morddrohungen gegen Oberhausener Betriebsrat
17.02.2012 Seit September 2011 hat der Betriebsrat bei MAN Diesel&Turbo in Oberhausen-Sterkrade, Reinhardt Meyer, insgesamt fünf anonyme faschistische Morddrohungen erhalten. Die mit Anti-Antifa unterzeichneten Briefe beschimpfen Meyer auf entwürdigende Weise als Kanakenbetriebsrat aufgrund seines linken Engagements.
Die Morddrohungen gegen Meyer reihen sich in eine Vielzahl von Einschüchterungsversuche, Gewalttaten und Anschläge in den letzten Wochen gegen Linke aus Oberhausen und aus Nachbarstädten ein. Neben Meyer hat der Dortmunder Gewerkschafter Gerd Pfister Drohungen per SMS und Schmiererei an der Hauswand erhalten.
In der Nacht vom 27. zum 28. Dezember wurde die Schaufensterscheibe des „Linken Zentrums“ an der Elsässer Straße in Oberhausen (Fußgängerzone) von unbekannten Gewalttätern mit einem etwa ziegelgroßen Stein eingeworfen. Jens Carstensen, Kreissprecher der Linkspartei in Oberhausen betont: „Es ist nicht das erste Mal, dass Einrichtungen und Büros der Partei DIE LINKE Ziel solcher Angriffe werden. Auch wenn wir noch nicht wissen, wer die Täter sind, haben wir doch Vermutungen über die Hintergründe.“ Mitte des selben Monats wurde das Glas der Eingangstür der Geschäftsstelle WIR-Linke aus Mülheim zertrümmert und der außen angebrachte Aufkleber „Gemeinsam gegen Rassismus und Faschismus – für Solidarität und Völkerverständigung“ zerkratzt. In diese traurige Reihe ließen sich noch weitere Beispiele einreihen.
Naziaktivitäten auch in Oberhausen
In Oberhausen wird oft der Eindruck erweckt, es gäbe kein Problem mit Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten. Tatsächlich wird in der Öffentlichkeit jedoch zu wenig thematisiert, dass es lokal faschistische Strukturen gibt, die zum Teil öffentlich, zum Teil verdeckt aktiv sind. Neben einen aktiven NPD Kreisverband, der in den letzten fünf Jahren nicht nur mit Informationsständen in die Öffentlichkeit tritt, sondern in unregelmäßigen Abständen Printmedien verteilt und eine mit lokalen Themen gefütterte Internetseite betreibt, befindet sich in in Oberhausen der Sitz der Monatszeitschrift „Unabhängige Nachrichten“. Ein Magazin, das seit den 1960er Jahren Geschichtsrevisionismus betreibt und von Überfremdung spricht. Sie hat besonders in den letzten Jahren immer stärkere Nähe zur Neonaziszene gewonnen und wird in entsprechenden Kameradschaften gelesen. In Oberhausen existiert auch eine Gruppe „Freier Widerstand“, die auf ihrer Internetseite eindeutig Nazisymbole verwendet und von der Ausrottung des deutschen Volkes durch hohe Geburtenraten von Gastarbeitern spricht.
Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es die Verlagsagentur Werner Symanek (VAWS), die ein Postfach in Duisburg betreibt, ihren Sitz in Oberhausen hat. Sie vertreibt Musik und Bücher. Zur faschistischen Strategie der VAWS gehört es zunächst unauffällige Medien zu vertreiben und vereinzelt rechtes Material darunter zu mischen. Besonders junge Menschen gehören zur Zielgruppe dieser Strategie.
Breiter Widerstand notwendig
Am 04.02.2012 organisierte Reinhardt Meyer eine Kundgebung am Centerpoint in Sterkrade um auf die jüngsten Drohungen und Gewalttaten gegen linke Organisationen und Einzelpersonen aufmerksam zu machen. Für Meyer und seine antifaschistischen Kolleginnen und Kollegen ist diese Kundgebung eine Auftaktveranstaltung gewesen, der weitere Aktionen folgen sollen, um Verbündete für die Forderung nach einem sofortigem Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda zu sammeln.
Quelle: paroli, 17.02.12